Wo wohnten meine Vorfahren? – Die Geschichte der Familie Prankl geht weiter (zurück)

Vielleicht könnt ihr euch noch an meinen Vorfahren Joseph Prankl, den Hammerschmied in Gaming erinnern? Bis vor Kurzem war er eine Sackgasse in meiner Ahnenforschung. Durch einen Blick ins Grundbuch von Gaming konnte ich jedoch mehrere bisher fehlende Generationen in diesem Zweig meines Stammbaumes ergänzen.

Nagelschmied

Bild: „Clauicularius. Der Nagler.“  von Amman, Jost (Holzschneider) aus dem Buch Ständebuch & Handwerk & Nagelschmied & Schlosser & Schmied, Public Domain via Wikimedia Commons/Deutsche Fotothek

Joseph Prankl erwarb im Jahr 1794 das Haus „Siebente Hofstadt in der Au“ in Gaming im Mostviertel Niederösterreichs. Das war auch aus dem Grundbuch ersichtlich, in welches ich vor ein paar Wochen im Niederösterreichischen Landesarchiv in Bad Pirawarth Einsicht nehmen konnte.

„1794 Joseph Prankl, Solus“ war im Grundbuchblatt als Besitzer eingetragen. In der darauffolgenden Zeile war Folgendes vermerkt: „1794 Joseph et Maria uxor ab anno 1794, in Gewährbuch fol 43 pro 1530 fl.“ Joseph Prankl hatte also im Jahr 1794 nicht nur das Grundstück erworben, sondern auch kurz darauf geheiratet. Das Jahr war der entscheidende Hinweis, den Trauungseintrag von Joseph Prankl (Joseph Bränkl) zu finden: Weiterlesen

Matricula im neuen Design

Matricula im neuen Design

Seit einiger Zeit hat Matricula online ein neues Design (das „alte Matricula“ ist noch bis Ende 2017 in Betrieb, wird dann aber nicht weitergeführt).

Ich habe es inzwischen ausgiebig probiert. Es gibt tolle neue Funktionen und das Arbeiten mit dem neuen Matricula ist sehr angenehm!
Man kann nun über drei verschiedene Wege in die Kirchenbuchsuche einsteigen:

Menü Matricula

Matricula Online, Menüleiste

  • Bestände: Wie bisher kann man die Bestände durchsuchen und auswählen
  • Landkarte: Diese Funktion ist komplett neu und eine sehr hilfreiche Erweiterung. Über eine Suche nach einem Ort auf der Karte sieht man alle in der Nähe befindlichen Pfarren. Besonders, wenn man in einer Pfarre nicht weiterkommt mit der Suche, ist es sehr hilfreich gleich direkt auf mögliche Nachbarpfarren zugreifen zu können.
 (Blaue Markierungen auf der Karte zeigen den gesuchten Ort, rote Markierungen sind Pfarren, deren Bestände mit einem Klick direkt aufgerufen werden können.)
  • Ortssuche: Die Funktion Ortssuche wurde im Vergleich zu bisher deutlich verbessert. Man kann die Suche auf bestimmte Diözesen sowie auch auf bestimmte Jahre eingrenzen. Wenn man den Ort eingibt, kommen alle in Frage kommenden Pfarren mit Hinweisen zu Orten innerhalb der Pfarre und man kann direkt einsteigen.

Auch das Aussehen der Übersichtsseite zu Kirchenbüchern einer Pfarre hat sich verändert.
Für jede Pfarre ist jetzt ein Foto der Pfarrkirche enthalten, was ich sehr nett finde.
Außerdem wurde eine aktuelle sowie eine historische Landkarte (aus mapire, einer Seite mit historischen Landkarten) ergänzt, sodass man sehr schnell einen Überblick über die Lage des Ortes und die Verhältnisse der Gegend bekommen kann.

Bei den Kirchenbuchbeständen einer Pfarre kann man jetzt einen Filter anwenden und sich nur bestimmte Bücher anzeigen lassen. Weiters wurde ein Datumsfilter ergänzt, der die Eingrenzung auf bestimmte Zeiträume vereinfacht.

Wenn man das gesuchte Kirchenbuch gefunden hat, gibt es zwei Möglichkeiten:

  • Über das Buchsymbol erhält man Details zu diesem Buch.
  • Über das Kamerasymbol steigt man direkt in das Kirchenbuch ein.

Auch bei der Navigation mit den Kirchenbüchern gibt es Neuerungen:

Die meisten Funktionen sind selbsterklärend, ergänzend hier noch ein paar Hinweise:

  • Das Haussymbol setzt alle Einstellungen zurück.
  • Über das Symbol des Pfeils aus dem Rechteck gibt den direkten Link zur Seite, den man dann über die rechte Maustaste kopieren kann.
  • Mit Hilfe des Buchsymbols kann man die Seitenleiste ein- und ausblenden.
  • Das Infosymbol gibt genaue Infos zu dem Kirchenbuch, in dem man gerade ist. Diese Information ist früher teilweise direkt in der rechten oberen Ecke des Fensters gestanden. (Die Tatsache, dass man vor allem die Jahre des Buches jetzt erst extra aufrufen muss, empfinde ich übrigens als einen kleinen Nachteil des neuen Designs.)
    UPDATE 8.6.2017: Wie ich gerade gesehen habe, wurde das Informationskästchen in der rechten oberen Ecke wieder aufgenommen, es enthält Informationen zur Pfarre, Buchart, Signatur und zu den enthaltenen Jahren.

Die sowohl auf den Übersichtsseiten als auch in den Kirchenbuch-Seiten eingeblendete Navigationsleiste trägt einerseits zur Übersichtlichkeit bei und andererseits kann man schnell wieder zur Kirchenbücherübersicht einer Pfarre oder zur Beständeübersicht wechseln.

Matricula Navigationsleiste

Matricula online Navigationsleiste

Matricula online ist auch auf Englisch verfügbar: Man kann auf der Startseite rechts oben die Sprache ändern.

Was mir leider noch ganz fehlt, ist die Möglichkeit, einzelne Seiten der Kirchenbücher komplett als Datei herunterzuladen, wie sie zum Beispiel bei Familysearch angeboten wird. Hier muss man weiterhin mit Screenshots arbeiten.

Alles in Allem kann man aber sagen, dass das neue Matricula durch die vielen neuen Funktionen eine sehr gute Grundlage für das Recherchieren in Kirchenbüchern bietet.

Weiter Hinweise zum Arbeiten mit Kirchenbüchern findet ihr übrigens in diesem Post: Arbeiten mit Kirchenbüchern.

Die Herrschaft Heidenreichstein

Viele meiner Vorfahren waren Untertanen der Herrschaft Heidenreichstein im nördlichen Waldviertel in Niederösterreich. Grund genug, um euch dieses Gebiet näher vorzustellen!

Georg Mätthaus Vischer Topographia archiducatus Austriae Inferioris modernae 1672, Wien 1672

Georg Mätthaus Vischer Topographia archiducatus Austriae Inferioris modernae, Wien 1672

Allgemeines zu Grundherrschaften

Vorweg aber eine kurze Erklärung, was unter einer Grundherrschaft zu verstehen ist: Grundherrschaften waren ein Grundbaustein der Wirtschaft und der Gesellschaft in Österreich. Durch die Grundherrschaft wurden bestimmte Rechte und gegenüber den Einwohnern mit dem Besitz an Grund und Boden verbunden. Diese Rechte umfassten auch die Gerichts- und Verwaltungshoheit, das Recht auf Robot (eine Arbeitsleistung der Einwohner zu bestimmten Terminen) und das Recht auf Besteuerung. Als Gegenleistung war der Grundherr für den Schutz seiner Untertanen verantwortlich. Der Erwerb von Grundherrschaften war dem Adel und bestimmten geistlichen Institutionen vorbehalten.
Mit kaiserlichem Patent von 7. September 1848 wurden die Grundherrschaften im Kaisertum Österreich abgeschafft. Die Verwaltungshoheit und Gerichtsbarkeit ging auf Behörden über. [1]

Geschichte der Herrschaft Heidenreichstein

In Heidenreichstein steht die größte Wasserburg Österreichs, deren erste Teile vermutlich um 1180 vom ersten Burggrafen Heidenreich erbaut wurde. Im 13. Jahrhundert wird der Markt Heidenreichstein erstmals urkundlich erwähnt. Heidenreichstein war seit dem Spätmittelalter ein wichtiger Handelsplatz. Im 17. Jahrhundert gewann die Textilindustrie an Bedeutung und im 19. Jahrhundert waren Webereien im Herrschaftsgebiet weit verbreitet. [2] Auch die Glaserzeugung spielte eine wichtige Rolle in der Geschichte der Herrschaft, da die waldreiche Gegend die Entstehung von Glashütten begünstigte, so zum Beispiel in Aalfang und Nagelberg.

Heidenreichstein litt sowohl unter dem Dreißigjährigen Krieg im 17. Jahrhundert als auch den Franzosenkriegen im 19.Jahrhundert, als die Gegend durch die Franzosen besetzt war. [3]

Orte:

Die Herrschaft Heidenreichstein umfasste folgende Orte:
Heidenreichstein, Altmanns, Thaures, Reichenbach, Roitrechts, Willings, Kleinradischen, Ebersweis, Dietweis, Motten, Pfaffenschlag, Artolz, Arnolz Steinbach, Rohrbach, Brandt (Brand), Finsternau, Aalfang (Eilfang), Nagelberg, Reinberg, Pfaffenschlag, Eisenreichs, die Waldhütten Schwarzenberg, Kiensaß, Wiesmaden, Steinbach sowie Zuggers, Schwarzbach, Grundschachen und Rottenschachen, die im heutigen Tschechien liegen.

Das Alltagsleben 1840

Wie es sich in den 1840ern in der Herrschaft Heidenreichstein so lebte, beschreibt Freiherr von Schweickhardt in seiner Darstellung des Erzherzogthums Österreich unter der Enns [4]:

Die Herrschaft Heidenreichstein umfasste damals: „1320 Häuser, 2195 Familien, 4787 Manns-, 5104 Weibspersonen und 1336 Schulkinder, 147 Pferde, 1706 Ochsen, 1802 Kühe, 903 Schafe, 84 Ziegen und 1415 Schweine“.

„Gebaut werden Korn, Hafer, etwas Gerste und Sommerweizen, Erdäpfel aber in Menge, weil dieses Knollengewächs die vorzüglichste Nahrung des größeren Theils der Armen ist, (…) Flachs jedoch bei fast allen Gemeinden. Bei dem geringen hier bestehenden Bodenerträgniße und dem rauheren Klima ist es daher kein Wunder, wenn die Erzeugnisse alle aufgezehrt werden und kein Überfluß verbleibt. Die Einwohner würden daher schwer ihre Abgaben leisten können, fänden sie nicht an der Weberei eine Erwerbsquelle, welche dem Fehlenden nachhilft. Fast Alles ist hier Weber, den ganzen Tag hindurch klappern die Webstühle. (…) Die Viehzucht wird bloß zum eigenen Gebrauche betrieben. (…) Der Nutzen, den sie abwirft ist unbedeutend, weil Futtermangel hier herrscht und nichts Gutes gezogen wird.“

„Die ärmere Klasse der hierortigen Unterthanen beschäftigt sich mit Holzfällen für die auf den Herrschaften bestehenden Glasfabriken, dann mit Erzeugung der Hecheln für den Flachs.“

Webstuhl 1830 Wikimedia

Webstuhl, 1830 von Johann Schieß (1799-1844), Quelle: Wikimedia

Unterlagen und weitere Informationen

Wenn ihr auch Vorfahren in diesem Herrschaftsgebiet habt, ist das quasi ein „Glücksfall“, denn eine Vielzahl an Unterlagen zur Herrschaft Heidenreichstein ist online kostenlos einsehbar und zwar sowohl bei Familysearch als auch beim Niederösterreichischen Landesarchiv:

  • Familysearch: Sammlung „Österreich, Herrschaftsakten, 1537-1920“, (Pfad im Menü: Niederösterreich/Litschau/Herrschaft Heidenreichstein und Weissenbach)
    hier der direkte link
  • NÖ Landesarchiv: (Pfad im Menü: Gerichtsarchive, Bezirksgerichte/Grundherrschaftliche Provenienz/Litschau/Heidenreichstein und Weissenbach, Herrschaft)
; hier der link

(Heidenreichstein erhielt im Jahr 1850 ein Bezirksgericht, das jedoch im Jahr 1868 nach Litschau verlegt wurde. Unterlagen zur Herrschaft Heidenreichstein sind daher beim Bezirksgericht Litschau zu finden.)

Die online gestellten Bücher umfassen Folgendes:
– Grundbücher 1715 – 1885
– Gewährbücher 1786 – 1851
– Heiratsprotokolle und -rapulare 1747 – 1851
– Inventurrapulare und -protokolle 1758 – 1843
– Kaufprotokolle und -rapulare 1654 – 1838
– Satzprotokolle 1775 – 1851

(Welche Informationen sich in welcher Art von Büchern befinden, werde ich übrigens bald in einem separaten Post behandeln.)

Quellen

[1] Wien Wiki Geschichte, Eintrag zu Grundherrschaften
[2] Dehio Niederösterreich Nördlich der Donau, Verlag Anton Schroll & Co, Wien 1990,
Eintrag Heidenreichstein, Seite 412ff
[3] Wikipedia Eintrag Heidenreichstein
[4] Friedrich Schweickhardt (Freiherr von.): Darstellung des Erzherzogthums
Oesterreich unter der Ens, durch umfassende Beschreibung aller Burgen, Schlösser,
Herrschaften, Städte, Märkte, Dörfer, Rotten,C., C., topographisch-statistisch-
genealogisch-historisch bearb., und nach den bestehenden vier Kreisvierteln gereihet,
Sechster Band, Viertel Ober-Manhartsberg; Wien, gedruckt bei Anton Benko, 1840,
Seiten 37ff

Online Indexieren bei Familysearch

Gestern habe ich beim Stöbern auf Familysearch eine neue Funktionalität entdeckt: Die „Indexierung im Internet“. Man kann sich ganz leicht dafür anmelden, es gibt ausführliche Erklärungen und Hilfsfunktionen.

Nach einem Probedurchlauf bekommt man eine kurze Auswahl an möglichen Indexierungsprojekten, die alle in etwa 30 Minuten Zeit kosten. Es sind verschiedene Schwierigkeitsgrade auswählbar.

Zum Einstieg habe ich mir diese Sammlung ausgesucht: „US, Pennsylvania—World War II Draft Registrations, 1940–1945“. Der Satz hat 10 maschinengeschriebene Karten enthalten, die man in Bildern sieht und beliebig vergrößern kann. Es war anfangs in einer Projektanleitung klar erklärt, was und wie indexiert werden soll und es sind viele Hilfefelder verfügbar, wenn man nicht genau weiß, was man tun soll. Nach 20 Minuten war ich fertig – ein gutes Gefühl!

Anschließend war die Auswahl an Projekten schon viel größer und auch ein österreichisches ist dabei: Die Matriken der Diözese Gurk. Da konnte ich natürlich nicht widerstehen, auch wenn die „fortgeschrittene“ Kenntnisse gefragt waren. Dieser Satz war schon nicht mehr so leicht lesbar aufgrund der Handschrift, aber es geht natürlich auch das.

Ich finde die webbasierte Indexierung von Familysearch wirklich gut gemacht und einfach.

Aber ich ziehe auch meinen Hut vor allen, die so fleißig Matriken und andere Dokumente indexieren und indexiert haben. Das ist eine mühsame Kleinarbeit – wie mühsam weiß man erst, wenn man es selber probiert und rätselt, welcher Name da stehen könnte… DANKE! Denn ohne die fleißigen Indexier wäre meine Forschung sicher nicht so umfangreich, wie sie es heute ist.

Wie finde ich Vorfahren in Wien?

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Parterre in Schönbrunn von Alois Greil (1841-1902) aus dem Buch „Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild“, Band Wien, WIen 1886, Seite 115

Wien – Geschichte

Wien war insbesondere in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts als Hauptstadt der österreichisch-ungarischen Monarchie eine rasch wachsende Großstadt. In dieser Zeit wurden unter anderem auch die Stadtbahn und die Hochquellwasserleitung errichtet.
Während Wien im Jahr 1880 726.000 EInwohner zählte, waren dies 1890 – nachdem die Vororte eingemeindet worden waren – 1.365.000. Im Jahr 1910 wohnten 2.031.000 Menschen in der Stadt (1).
Auch während des ersten Weltkriegs kamen unzählige Kriegsflüchtlinge in die Stadt.
Heute sind es übrigens 1.841.000 Einwohner.

Durch die hohe Zahl der Zuwanderungen wird Wien auch in der Genealogie für viele interessant, deren Vorfahren es nach Wien zog.

Familienforschung – Quellen für Wien

Da es gar nicht so leicht ist, seine Vorfahren in Wien zu finden, möchte ich heute einige Tipps und Quellen dafür erläutern.

Adolph Lehmann’s allgemeiner Wohnungs-Anzeiger

Eine gute Quelle, um Wiener Vorfahren zu finden, ist der „Lehmann“ („Adolph Lehmann’s allgemeiner Wohnungs-Anzeiger“) ein Verzeichnis, der Einwohner Wiens, welches jährlich von 1859 – 1942 herausgegeben wurde. Der Lehmann wurde digitalisiert und ist auf der Homepage „Wienbibliothek Digital“ (hier der link) kostenfrei einsehbar.

Im Verzeichnis werden die Haushaltsvorstände (aber nicht deren Ehefrauen oder Kinder), meist mit Beruf, aufgeführt. Nicht im Lehmann enthalten sind Gewerbegeholfen, Taglöhner und Dienstboten.
Der Lehmann enthält mehrere Abschnitte, die über das Menü auf der Homepage ausgewählt werden könnnen. Da gibt es neben Behördenverzeichnissen und Firmenverzeichnissen auch Sehenswürdigkeiten oder ein Verzeichnis der Zeitungen (Inhalt variiert je Jahrgang). Das für Ahnenforscher wohl am interessanteste Verzeichnis ist das „Namensverzeichnis“. Das digitalisierte Namensverzeichnis kann nach Buchstaben ausgewählt werden.

Oft gibt es auch „Straßenverzeichnis“, in welchem unter anderem die Pfarrzugehörigkeit einer Adresse ersichtlich ist.
Für einige Jahre (zB 1925) gibt es auch einen „umgekehrten Lehmann“, das sogenannte Häuserverzeichnis. Dies ist ein Verzeichnis der Einwohner, das nicht nach Namen, sondern nach Adressen geordnet ist. Hier kann man feststellen, wer unter einer bestimmten Adresse wohnhaft war, um beispielsweise zu erfahren, wer die Nachbarn unserer Vorfahren waren.

Verstorbenensuche der Friedhöfe Wien

Die Verstorbenensuche der Friedhöfe Wien (hier der link) gibt nicht nur Treffer von bestehenden Gräbern, sondern auch für historische (also bereits aufgelassene) Gräber und ist damit eine nicht zu unterschätzende Quelle der Ahnenforschung.

Im Suchresultat können nützliche Informationen wie Lebensalter, Geburtsdatum und Sterbedatum enthalten sein. Es sind außerdem weitere Personen, die im selben Grab bestattet sind, angeführt. Hier handelt es sich mit hoher Wahrscheinlichkeit um Verwandte, Ehepartner oder Kinder.
Bei der historischen Suche ist zu beachten, dass die Personen, die unter „Weiters in diesem Grab bestattet“ nicht unbedingt verbundene Personen sein müssen, es kann sich auch um familienfremde Personen handeln, die zu einem anderen Zeitpunkt in diesem Grab bestattet waren.

Es zahlt sich jedenfalls aus, immer die Suche nach aktuellen Gräbern und historischen Gräbern durchzuführen, ganz unten in der Suchmaske gibt es eine Auswahlmöglichkeit.
Ein Übersichtsplan auf der Homepage zeigt übrigens auch die Lage des Grabes auf dem jeweiligen Friedhof.

Meldezettel Familysearch

Familysearch bietet im Katalog eine interessante Sammlung:
Österreich, Niederösterreich, Wiener Meldezettel 1850-1896

Die Jahresangabe der Sammlung ist irreführend. Tatsächlich handelt es sich um Meldezettel ab ca. 1905, die aber Personen, die vor 1897 geboren wurden, betreffen.
Das Suchergebnis bietet Informationen über Geburtsdatum, Geburtsort, Ehepartner und Wohnbezirk (keine genaue Adresse).
Die Original-Meldezettel liegen übrigens im Wiener Stadt- und Landesarchiv auf. Die Einsicht dort ist kostenlos. Man kann aber auch über ein Kontaktformular Anfragen stellen, um die konkrete Adresse der gemeldeten Personen zu erfahren. Achtung, diese Anfrage ist kostepflichtig und Recherche kostet pro angefangene halbe Stunde Arbeitszeit 35 Euro.

Weitere Datenbanken

Sowohl die Datenbanken von genteam (kostenfreie Registrierung erforderlich) als auch die Datenbanken des Vereins Familia Austria (teilweise kostenfrei, teilweise an die Mitgliedschaft im Verein gebunden) geben Informationen über Wiener Einwohner.
In beiden Datenbanken sind Einträge zu Wiener Taufen, Trauungen und Sterbefällen enthalten. Bei Familia Austria wurden die Einträge der Vertorbenen der Wiener Zeitung erfasst. Diese sind auch in ANNO der Österreichischen Nationalbibliothek über die Suche nach Namen abfragbar. Hier kann es aber sein, dass die Namen über die Volltextsuche nicht fehlerlos dargestellt werden.

Historische Stadtpläne, Karten und Fotos

Das Wien-Wiki bietet verschiedene historische Karten von Wien.

Es gibt dort außerdem eine Liste topographischer Objekte, wo man nach einer Straße suchen kann und Informationen (über Pfarrzugehörigkeit oder besondere Objekte) erhält.

In der Bildergalerie sind zahlreiche Ansichten alter Wiener Gebäude enthalten. Wenn man Glück hat, ist das gesuchte Wohnhaus dabei. Andernfalls bekommt man zumindest eine Idee, wie es in einer Gegend Wiens früher ausgeschaut hat.

 

Auf der Seite der Wienbibliothek digital gibt es ebenfalls sehr interessante Straßenkarten und Pläne des historischen Wiens.

Quelle:

(1) https://www.wien.gv.at/kultur/archiv/geschichte/ueberblick/stadtwachstum.html

Grundbuch und Familienforschung – Familie Weihs in Sachsendorf

Eintragungen in Grundbüchern geben einen guten Einblick in die Familiengeschichte, darum will ich heute darüber berichten.

Einführung des Grundbuches in Österreich und Allgemeines

Maria Theresia ließ in Österreich ab 1770 ein erstes Häuserverzeichnis anlegen (siehe hier), den Vorreiter des heutigen Grundbuches. Grundbücher enthalten eine Vielzahl an Informationen über Grundstücke und deren Besitzer. Heute beschränke ich mich allerdings auf die Grundstücksbesitzer.

Dokumente bei Familysearch

Bei Familysearch sind viele österreichische Herrschaftsakten online einsehbar (kostenlose Registrierung erforderlich). Man sieht die verfügbaren Bücher, indem man im Menü auf „Suche“ und „Katalog“ auswählt und bei Ort „Austria“ eingibt.
In der Auswahlmaske öffnet man die „Court Records“ und ist schon am Ziel:
Austria, seigniorial records = Österreich, Herrschaftsakten, 1537-1920

Familie Weihs in Sachsendorf

Am Beispiel der Familie Weihs aus Sachsendorf (Bezirk Kirchberg am Wagram, Niederösterreich) möchte ich nun die Hilfe, die ein Grundbuchblatt bei der Familienforschung bieten kann, erläutern.

Mathias Weihs war mein Ur-Ur-Ur-Ur-Urgroßvater. Ich weiß bisher, dass er im Jahr 1724 in Kollersdorf bei Sachsendorf geboren wurde und mit Anna Maria Leuthner, verwittwete Kienast, verheiratet war. Viel mehr habe ich zu seiner Familie (bis auf meinen direkten Vorfahren, seinen Sohn Paul) bisher nicht erforscht.

Titel Grundbuch Sachsensdorf, NIederösterreich

Titel Grundbuch Sachsensdorf, Niederösterreich, Quellenangabe siehe Ende des Posts

Durch das „Haus-Überland-Grundbuch Amt Sachsendorf“, welches bei Familysearch online verfügbar ist (Quellenangabe siehe Ende des Posts), habe ich herausgefunden, dass Mathias Weihs mehrere Grundstücke in Sachsendorf besessen hat.
Eines davon war dieses:

Titel des Grundbucheintrages, Quellenangabe siehe Ende des Posts

Titel des Grundbucheintrages, Quellenangabe siehe Ende des Posts

Transkription: Von einem Bauernhaus, dareingehören 3 1/2 Joch Acker

Aus dem Grundbucheintrag geht folgende Besitzerkette hervor:

Besitzerkette Eintrag Grundbuch Sachsendorf, Quellenangabe siehe Ende des Posts

Besitzerkette Eintrag Grundbuch Sachsendorf, Quellenangabe siehe Ende des Posts

Folgende Personen waren also Besitzer des Bauernhauses:

  • Mathias Weihs und seine Ehefrau Anna Maria („ux.“ ist kurz für uxoris, Ehefrau) von 1759 an
  • Franz Weihs zuerst ledigen Standes ab 1788 und dann mit seiner Ehefrau Elisabeth ab 1790 (aus Sachsendorf, frühere Schreibweise Saxendorf)
  • Joseph Weihs, ledigen Standes ab 1817 durch Kauf (für 4000 Gulden, abgekürzt „fl.“)
  • Joseph Weihs und seiner Ehefrau Anna Maria ab 1817 durch Heirat („Heirath“)
  • Johann Weihs, ledigen Standes, „daselbst“ – also im Bauernhaus wohnend- durch Kauf im Jahr 1849 um 1.200 Gulden

Diese Informationen bieten einerseits einen guten Überblick und liefern genug Anhaltspunkte für eine genauere Recherche. Wie aus der Gemeindebeschreibung für Kirchberg am Wagram bei Matricula-online hervorgeht, ist bis 1784 die Pfarre Kirchberg am Wagram für Sachsendorf zuständig, danach die Pfarre Altenwörth (beide Erzdiözese Wien).

Aus den Kirchenbüchern ist Folgendes ersichtlich:

  • Mathias Weihs und Anna Maria Leuthner haben am 22.7.1759 in Sachsendorf geheiratet.
  • Franz Weihs hat laut Grundbuch im Jahr 1790 geheiratet, daher ist hier die Suche im Trauungsbuch der Pfarre Altenwörth einfach:
 Am 22.1.1790 hat Franz Weihs, Sohn des Mathias Weihs und der Anna Maria Leuthner, Elisabeth Nesterl geheiratet. Aus dem Trauungseintrag kann man auch das Geburtsjahr von Franz Weihs errechnen: Er war bei der Trauung 25 Jahre und wurde daher 1765 geboren. Tatsächlich war es am 27.5.1764, wie das Kirchenbuch Kirchberg am Wagram zeigt.
  • Joseph Weihs erwarb die Liegenschaft durch Kauf von den Eheleuten Franz und Elisabeth Weihs (die übrigens 1830 bzw 1828 verstorben sind).
 Hier wird es schwieriger, da nicht hervorgeht, in welchem Verwandtschaftsverhältnis Joseph zu Franz stand. Bruder? Sohn? Neffe?
 Da der nächste und übernächste Eintrag beide 1817 gemacht wurden, ist es offensichtlich derselbe Joseph, der 1817 mit einer Frau names Anna Maria verheiratet war – also auf die Suche im Kirchenbuch. 
 Wir haben Glück, es gibt tatsächlich eine Trauung von Joseph Weihs mit Anna Maria Entl am 11.11.1817. Aus dem Eintrag geht hervor, dass Joseph der Sohn von Franz und Elisabeth Weihs war und 1791 geboren wurde.
    Hier ist übrigens ein Anknüpfungspunkt für eine weitere Recherche: Ich muss versuchen, den Kaufvertrag zwischen Franz und Joseph zu finden. 
 (Ich frage mich zum Beispiel, woher Sohn Joseph 4.000 Gulden hatte, das war doch viel Geld zur damaligen Zeit.)
  • Der nächste und letzte Besitzer in der Reihe ist Johann Weihs, der das Grundstück ebenfalls durch Kauf erworben hat. Er war ledigen Standes.
    Es gibt im fraglichen Zeitraum 3 Taufen eines Johann Weihs. Am wahrscheinlichsten ist es, dass der Sohn von Joseph und Anna Maria Weihs, der am 15.8.1825 geboren wurde, „unser“ Johann ist. Letzte Zweifel könnten aber nur durch Einsicht in den Kaufvertrag beseitigt werden.

Mithilfe des Grundbuches konnte ich somit folgende Ahnenkette erforschen:

Ahnentafel Johann Weihs Kopie

 

Quellenangabe Familysearch – Grundbuchsauszug:
„Österreich Herrschaftsakten 1537-1920,“ images, FamilySearch (https://familysearch.org/ark:/61903/3:1:3QSQ-G9K9-BS3H?cc=1929847&wc=MYCG-BZQ%3A1062206102%2C1047408502%2C1062215703%2C1062215702%2C1062221701 : 20 May 2014), Österreich  \> Lower Austria (Niederösterreich) \> Kirchberg am Wagram \> Herrschaft Grafenegg mit Freihof Etsdorf \> image 13 of 200; Landesarchiv, Österreich (national archives, Austria).