Die Schlacht bei Dürnstein – Kriegschrecken für meine Vorfahren

Am 11.11.1805 fand in Loiben und Dürnstein in der Wachau eine große Schlacht der Napoleonischen Kriege statt. Und meine Ur-Ur-Ur-Urgroßtante Barbara Artner wohnte damals in Dürnstein („Thirrnstein“). Grund genug, um dieses Kapitel der Geschichte und die schlimmen Auswirkungen für die Bevölkerung von Loiben und Dürnstein genauer zu erforschen.

Der Aufstieg Napoleons

Napoleon, geboren am 15.8.1769 auf Korsika, erlebte im Laufe der französischen Revolution aufgrund seines militärischen Talents eine steile Karriere in der französischen Armee. Nach einem Staatsstreich im November 1799 war er zunächst „Erster Konsul der Französischen Republik“, bis er sich 1804 zum „Kaiser der Franzosen“ krönen ließ.

Im April 1805 verbündeten sich Großbritannien, Schweden und Russland gegen Frankreich, im August 1805 trat auch Österreich diesem Bündnis, der sogenannten „Dritten Koalition“, bei. Nachdem Kaiser Franz I. von Österreich (zuvor als Franz II. der letzte Kaiser des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation und Gründer des erblichen Kaisertums Österreich) seine Truppen am 8. September 1805 in Bayern (das sich mit Frankreich verbündet hatte) einmarschieren ließ, erklärte Napoleon Österreich den Krieg. Die österreichischen Truppen verloren im Oktober mehrere Schlachten bei Ulm, worauf die Franzosen in Richtung Wien vorrückten. Dabei kamen sie drei Wochen später nach Loiben und Dürnstein, wohin sich eine österreichisch-russische Armee bereits zurückgezogen hatte.

Die Schlacht von Dürnstein und Loiben

Am 10. November 1805 erreichte die französische Vorhut Dürnstein und nach mehreren Gefechten mit den russischen Vorposten war schließlich die Ebene zwischen Dürnstein und Rothenhof in französischer Hand. Die Russen und Österreicher hatten in Hauptquartier in Krems aufgeschlagen.

 

In der Schlacht am 11.November 1805 trafen etwa 10.000 Franzosenunter Marschall Moitier auf eine 24.000 Mann starke Armee aus Österreichern (unter Johann Heinrich von Schmitt) und Russen (unter General Kutusow). Die Schlacht begann mit einem Vorrücken der Franzosen, da sie dachten, die Russen hätten sich zurückgezogen.

Eine Umgehungskolonne der österreichisch-russischen Armee unter Führung des einheimischen und ortskundigen Jägers Andreas Bayer fiel den Franzosen in die Flanke und stiftete so große Verwirrung beim Feind. Schlußendlich konnte Dürnstein zurückerobert werden und die Franzosen zogen sich nach Weißenkirchen zurück.

Im Laufe der Schlacht fielen auf beiden Seiten je ungefähr 4.000 Soldaten (obwohl die berichteten Zahlen hier große Schwankungen aufweisen), unter ihnen Johann Heinrich von Schmitt, der österreichische Befehlshaber.

Eine Kremser Chronik (in Niederösterreich Geschichte und Kultur in Bildern und Dokumenten, Otto Müller Verlag, 1982) schildert dazu Folgendes:

„Im Dorfe Oberloiben fand man 60 Todte, in Unterloiben 500 Todte, einige Tausend wurden von der Donau hinweggeschwemmt, die stundenlang ganz blau gefärbt schien von den dahinschwimmenden Uniformen der Franzosen.“

Die Alliierten gewannen zwar die Schlacht, trotzdem zogen die Russen in Richtung Mähren ab. Am 14.November marschierten die napoleonischen Truppen in Wien ein.

Ober- und Unterloiben sowie große Teile Dürnsteins wurden zerstört, die Weingärten verbrannt.

Die Bevölkerung, Familie Artner

Für die Bevölkerung von Dürnstein und Loiben müssen diese Tage im November eine schreckliche Erfahrung gewesen sein. Zuerst wurden sie von den Franzosen geplündert, dann von den Russen. Menschen wurden getötet, Häuser wurden zerstört, Weingärten verbrannt, Vorräte gestohlen und Kirchen entweiht.

Wie die Kremser Chronik (in Niederösterreich Geschichte und Kultur in Bildern und Dokumenten, Otto Müller Verlag, 1982) über den 11.November in Loiben schildert:

“Fürchterliches erlitten die Bewohner am Schlachttage selbst, und viele verkrochen sich in einem Keller des Pfarrhofes unter namenloser Angst. Freund und Feind wütete auf gleiche Weise, ja die alliierten Russen waren noch fürchterlicher als die Franzosen. Jene berauschten sich nicht nur im Weine, sondern zerschlugen die Weinfässer und ließen den Wein auslaufen auf die Erde.“

Barbara Grünseis, meine Ur-Ur-Ur-Urgroßtante hatte am 9.2.1802 Leopold Artner, einen Gerichtsdiener aus Dürnstein in St. Peter in der Au in Niederösterreich geheiratet. Nach der Hochzeit lebte das Ehepaar in Dürnstein und bekam vier Kinder (von denen eines allerdings in jungen Jahren verstarb).

Zum Zeitpunkt der Schlacht hatte das Ehepaar Artner daher einen zweieinhalb Jahre alten Sohn, Karl, und eine eineinhalb Jahre alte Tochter, Theresia. Sie wohnten in Dürnstein Nummer 43. Wie es ihnen wohl ergangen ist während der Schlacht von Dürnstein? Sicher kann ich sagen, dass es keine Sterbefälle infolge der Schlacht in der Familie gab.

(Leider verstarb Leopold Artner im Alter von nur 45 Jahren an Lungensucht. Seine Frau dürfte daraufhin aus Dürnstein weggezogen sein, bisher konnte ich allerdings nicht feststellen, wohin.)

Andere Bewohner wurden jedoch nicht verschont von den Gräueltaten der Armeen, wie man aus den Sterbebüchern von Loiben und Rothenhof sieht:

Am 12.11.1805 starb Elisabeth Karl, nachgelassene Witwe des Kristoph Karls, Weinhauers, wohnhaft in Unterloiben 16 im Alter von 64 Jahren. Als Todesursache ist festgehalten: „Von plündernden Russen erschossen“. Außerdem findet sich der Hinweis: „Von denen, welche die in der Schlacht gefallenen Toten begruben im Loibener Friedhof beerdigt“.

In Rothenhof 6 starb am 16. Dezember 1805 Paul Mayr, „Wittwer, gewester Weinhauer und Gerichtsgeschworener“ im Alter von 87 Jahren. Laut Sterbebuch starb er an „Alter und Kriegsschrecken, denn er wurde im Krankenbette geplündert“.

Einträge wie diese finden sich mehrere in den Sterbebüchern von Unterloiben und Rothenhof. Vor allem ältere Leute haben den „Kriegsschrecken“ nicht verkraftet.

Heute erinnern noch Gedenktafeln und das Franzosendenkmal (nach einem Entwurf von Friedrich Schachner) bei Loiben an die Schlacht.

Quellen

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