Die Schlacht bei Dürnstein – Kriegschrecken für meine Vorfahren

Am 11.11.1805 fand in Loiben und Dürnstein in der Wachau eine große Schlacht der Napoleonischen Kriege statt. Und meine Ur-Ur-Ur-Urgroßtante Barbara Artner wohnte damals in Dürnstein („Thirrnstein“). Grund genug, um dieses Kapitel der Geschichte und die schlimmen Auswirkungen für die Bevölkerung von Loiben und Dürnstein genauer zu erforschen.

Der Aufstieg Napoleons

Napoleon, geboren am 15.8.1769 auf Korsika, erlebte im Laufe der französischen Revolution aufgrund seines militärischen Talents eine steile Karriere in der französischen Armee. Nach einem Staatsstreich im November 1799 war er zunächst „Erster Konsul der Französischen Republik“, bis er sich 1804 zum „Kaiser der Franzosen“ krönen ließ.

Im April 1805 verbündeten sich Großbritannien, Schweden und Russland gegen Frankreich, im August 1805 trat auch Österreich diesem Bündnis, der sogenannten „Dritten Koalition“, bei. Nachdem Kaiser Franz I. von Österreich (zuvor als Franz II. der letzte Kaiser des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation und Gründer des erblichen Kaisertums Österreich) seine Truppen am 8. September 1805 in Bayern (das sich mit Frankreich verbündet hatte) einmarschieren ließ, erklärte Napoleon Österreich den Krieg. Die österreichischen Truppen verloren im Oktober mehrere Schlachten bei Ulm, worauf die Franzosen in Richtung Wien vorrückten. Dabei kamen sie drei Wochen später nach Loiben und Dürnstein, wohin sich eine österreichisch-russische Armee bereits zurückgezogen hatte.

Die Schlacht von Dürnstein und Loiben

Am 10. November 1805 erreichte die französische Vorhut Dürnstein und nach mehreren Gefechten mit den russischen Vorposten war schließlich die Ebene zwischen Dürnstein und Rothenhof in französischer Hand. Die Russen und Österreicher hatten in Hauptquartier in Krems aufgeschlagen.

 

In der Schlacht am 11.November 1805 trafen etwa 10.000 Franzosenunter Marschall Moitier auf eine 24.000 Mann starke Armee aus Österreichern (unter Johann Heinrich von Schmitt) und Russen (unter General Kutusow). Die Schlacht begann mit einem Vorrücken der Franzosen, da sie dachten, die Russen hätten sich zurückgezogen.

Eine Umgehungskolonne der österreichisch-russischen Armee unter Führung des einheimischen und ortskundigen Jägers Andreas Bayer fiel den Franzosen in die Flanke und stiftete so große Verwirrung beim Feind. Schlußendlich konnte Dürnstein zurückerobert werden und die Franzosen zogen sich nach Weißenkirchen zurück.

Im Laufe der Schlacht fielen auf beiden Seiten je ungefähr 4.000 Soldaten (obwohl die berichteten Zahlen hier große Schwankungen aufweisen), unter ihnen Johann Heinrich von Schmitt, der österreichische Befehlshaber.

Eine Kremser Chronik (in Niederösterreich Geschichte und Kultur in Bildern und Dokumenten, Otto Müller Verlag, 1982) schildert dazu Folgendes:

„Im Dorfe Oberloiben fand man 60 Todte, in Unterloiben 500 Todte, einige Tausend wurden von der Donau hinweggeschwemmt, die stundenlang ganz blau gefärbt schien von den dahinschwimmenden Uniformen der Franzosen.“

Die Alliierten gewannen zwar die Schlacht, trotzdem zogen die Russen in Richtung Mähren ab. Am 14.November marschierten die napoleonischen Truppen in Wien ein.

Ober- und Unterloiben sowie große Teile Dürnsteins wurden zerstört, die Weingärten verbrannt.

Die Bevölkerung, Familie Artner

Für die Bevölkerung von Dürnstein und Loiben müssen diese Tage im November eine schreckliche Erfahrung gewesen sein. Zuerst wurden sie von den Franzosen geplündert, dann von den Russen. Menschen wurden getötet, Häuser wurden zerstört, Weingärten verbrannt, Vorräte gestohlen und Kirchen entweiht.

Wie die Kremser Chronik (in Niederösterreich Geschichte und Kultur in Bildern und Dokumenten, Otto Müller Verlag, 1982) über den 11.November in Loiben schildert:

“Fürchterliches erlitten die Bewohner am Schlachttage selbst, und viele verkrochen sich in einem Keller des Pfarrhofes unter namenloser Angst. Freund und Feind wütete auf gleiche Weise, ja die alliierten Russen waren noch fürchterlicher als die Franzosen. Jene berauschten sich nicht nur im Weine, sondern zerschlugen die Weinfässer und ließen den Wein auslaufen auf die Erde.“

Barbara Grünseis, meine Ur-Ur-Ur-Urgroßtante hatte am 9.2.1802 Leopold Artner, einen Gerichtsdiener aus Dürnstein in St. Peter in der Au in Niederösterreich geheiratet. Nach der Hochzeit lebte das Ehepaar in Dürnstein und bekam vier Kinder (von denen eines allerdings in jungen Jahren verstarb).

Zum Zeitpunkt der Schlacht hatte das Ehepaar Artner daher einen zweieinhalb Jahre alten Sohn, Karl, und eine eineinhalb Jahre alte Tochter, Theresia. Sie wohnten in Dürnstein Nummer 43. Wie es ihnen wohl ergangen ist während der Schlacht von Dürnstein? Sicher kann ich sagen, dass es keine Sterbefälle infolge der Schlacht in der Familie gab.

(Leider verstarb Leopold Artner im Alter von nur 45 Jahren an Lungensucht. Seine Frau dürfte daraufhin aus Dürnstein weggezogen sein, bisher konnte ich allerdings nicht feststellen, wohin.)

Andere Bewohner wurden jedoch nicht verschont von den Gräueltaten der Armeen, wie man aus den Sterbebüchern von Loiben und Rothenhof sieht:

Am 12.11.1805 starb Elisabeth Karl, nachgelassene Witwe des Kristoph Karls, Weinhauers, wohnhaft in Unterloiben 16 im Alter von 64 Jahren. Als Todesursache ist festgehalten: „Von plündernden Russen erschossen“. Außerdem findet sich der Hinweis: „Von denen, welche die in der Schlacht gefallenen Toten begruben im Loibener Friedhof beerdigt“.

In Rothenhof 6 starb am 16. Dezember 1805 Paul Mayr, „Wittwer, gewester Weinhauer und Gerichtsgeschworener“ im Alter von 87 Jahren. Laut Sterbebuch starb er an „Alter und Kriegsschrecken, denn er wurde im Krankenbette geplündert“.

Einträge wie diese finden sich mehrere in den Sterbebüchern von Unterloiben und Rothenhof. Vor allem ältere Leute haben den „Kriegsschrecken“ nicht verkraftet.

Heute erinnern noch Gedenktafeln und das Franzosendenkmal (nach einem Entwurf von Friedrich Schachner) bei Loiben an die Schlacht.

Quellen

Neue Pfarren bei Matricula Online verfügbar (Gurk und Subotica)

Matricula Online hat folgende Neuigkeiten auf der Homepage verkündet:

  • Neue Pfarren der Diözese Gurk wurden online gestellt – hier der Link zum vollen Bestand der Diözese. Folgende Pfarren sind neu:
    Stall, Steinbichl, Stein im Jauntal/Kamen v Podjuni, Sternberg/Strmec, Steuerberg, Stift Griffen/Grebinjski Klošter, Stockenboi, Stranig, Strassburg, St. Salvator, St. Stefan am Krappfeld, St. Stefan an der Gail, St. Stefan bei Dürnstein, St. Stefan bei Niedertrixen, St. Stefan-Finkenstein/Šteben-Bekštanj, St. Stefan unter Feuersberg/Šteben, St. Thomas am Zeiselberg, St. Ulrich am Johannserberg, St. Ulrich an der Goding, St. Ulrich bei Feldkirchen, St. Urban bei Feldkirchen, St. Veit an der Glan, St. Veit im Jauntal/Št. Vid v Podjuni, St. Walburgen, Sütschach/Svece
  • Erste Matrikenbücher aus dem Historischen Archiv Subotica sind nun online verfügbar – hier der link zum Bestand in Matricula.

Paul Wiesinger, befugter Musikus und Hundezüchter in Linz

Linzer Becken

„Das Becken von Linz mit der Landeshauptstadt“ von Eduard Zetsche (1844-1927) aus dem Buch „Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild“, Band Oberösterreich und Salzburg, Wien 1886, Seite 17

Mein Ur-Ur-Urgroßonkel 4. Grades Paul Wiesinger wurde am 28.6.1832 (um 1/4 über 4 Uhr) in Linz, in der Pfarre St. Mathias, als Sohn der ledigen Hausbesitzerstochter Josepha Wiesinger geboren.
Im Taufeintrag ist kein Vater angeführt, interessant ist aber der Taufpate, Philipp Klimitsch, „Braumeister in Auhof 1“, zu dem ich eigentlich sonst keine Verbindung finden konnte – ist der Taufpater vielleicht ein Hinweis auf den Vater?
Auhof ist übrigens ein Schloss in Linz, das sich im Besitz der Starhemberger befand. Das Brauhaus dürfte im Jahr 1832 verpachtet gewesen sein, es wurde im Jahr 1900 abgerissen (Quelle: Wikipedia, Eintrag Schloß Aufhof (Linz))

Pauls Mutter Josepha heiratete im Jahr 1837 Ferdinand Mathias Frey. Daher ist Paul in späteren Dokumenten teilweise auch als Paul Frey bezeichnet. Das Ehepaar hatte keine weiteren Kinder.
Im März 1863 verstarb Josepha Frey im Alter von 59 Jahren.

Wenige Monate später, am 15.11.1863 heiratete Paul im Alter von 31 Jahren die 39jährige Juliana Bruckmüller, eine Dienstmagd und Tochter des Müllermeisters Johann Bruckmüller aus der Grubmühle in Thal. Das geht aus dem Ehekonsensbuch der Stadt Linz sowie dem Trauungsbuch der Pfarre St. Mathias hervor.



„Österreich, Oberösterreich, Linz, ausgewählte Bestände des Landesarchivs 1485-1894,“ images, FamilySearch (accessed 22 May 2014), Ehekonsens-Protokoll 1850-1868 > image 416 of 517; Oberösterreichischen Landesarchiv, Linz (Upper Austiran State Archives, Linz).

Der Beruf von Paul Wiesinger („alias Frey“) ist mit „befugter Musikus“ angegeben. Aus dem Ehekonsensbuch ist auch ersichtlich, dass die Brautleute offensichtlich Nachbarn waren. Während Paul Wiesinger in „Linz 1057“ wohnte, war der Wohnsitz von Juliana Bruckmüller mit „Linz 1055“ angegeben.

Interessant sind auch die Trauzeugen:

  • Johann Hofmeister, Klaviermacher in der Bethlehemgasse 44
  • Simon Danzmayr, Musikus

Ich habe keinen Hinweis, welches Instrument Paul Wiesinger gespielt hat, aber es könnte ja Klavier gewesen sein!

Klavier

Am 16.9.1865 kam das einzige Kind des Ehepaars zur Welt, die Tochter Franziska. Zu diesem Zeitpunkt war die Familie offensichtlich beim Tischlerehepaar Großpointner in der Schulerberggasse 945 eingemietet. Franziska Großpointner war die Taufpatin des Kindes.
Mit 18 Tagen verstarb das Baby an „Lebensschwäche“.

Am 12.2.1867 verstarb Pauls Ziehvater Ferdinand Frey an Lungentuberkulose im Alter von 64 Jahren.

Paul Wiesinger wird in der Linzer Tages-Post zweimal erwähnt, jedoch nicht im Zusammenhang mit seinem Beruf, sondern im Zusammenhang mit Hunden:

Auszug aus der Linzer Tagespost vom 25.6.1865, Seite 5, Quelle: Anno der Österreichischen Nationalbibliothek

 

Anläßlich des Volksfestes in Linz im Jahr 1865 gewann Paul Wiesinger/Frey den zweiten Preis in der Kategorie Nutzhunde – „Jagd-, Schweiß und Brackirhunde“ mit einem Dachshund und musste sich nur Graf Starhemberg geschlagen geben.

Dackel

Meyers Kleines Konversations-Lexikon, Siebente Auflage, Leipzig und Wien, 1909; Eintrag „Hunde“

Möglicherweise war Paul Wiesinger Hundezüchter oder auch Jäger, was mit der Hundezucht in Zusammenhang stehen könnte. Dazu konnte ich allerdings keine Hinweise finden.

Im Jahr 1882 findet sich folgende Announce:

Auch in diesem Jahr gewann Paul Wiesinger offensichtlich einen Preis mit seinen Hunden. Seine Adresse ist zu diesem Zeitpunkt die Donatusgasse in Linz.

Nur wenige Monate nach der Veröffentlichung der obigen Anzeige verstarb Paul Wiesinger am 25.7.1883 im Alter von nur 51 Jahren an Lungentuberkulose.
Seine Ehefrau Juliana starb 4 Jahre nach ihm am 7.3.1887 mit 61 Jahren an Altersschwäche.

Wie ich beim Schreiben gemerkt habe, zieht sich eine deutliche Botschaft durch den Post: Zusatzinformationen wie Taufpaten und Trauzeugen können wertvolle Hinweise für die Familienforschung bieten.

Matricula: Neue Pfarren des Bistums Magdeburg und des Bistums Münster online

Bistum Magdeburg

Am 2. Juni wurde folgendes von Matricula online bekannt gegeben:

„Soeben wurden 60 weitere deutsche katholische Pfarreien online geschaltet. Diesmal aus dem Bistum Magdeburg. Wir freuen uns über diesen Zuwachs und heißen dieses herzliche willkomen in der Matricula-Familie!“

Unter diesem link könnt ihr die neuen Pfarren und Bücher finden:
http://data.matricula-online.eu/de/deutschland/magdeburg/

Bistum Münster

Bereits am 23.Mai 2017 wurden erste Pfarren des Bistums Münster online gestellt. Es handelt sich um alle Pfarren mit den Anfangsbuchstaben A – F.

Unter diesem Link findet ihr die Pfarren:
http://data.matricula-online.eu/de/deutschland/muenster/

Weitere Pfarren aus Deutschland bei Matricula online

Seit Längerem sind ja bereits Pfarren der deutschen Bistümer Hildesheim und Passau online.

Tipps zum Arbeiten mit Matricula online findet ihr auch hier:

 

Matricula im neuen Design

Matricula im neuen Design

Seit einiger Zeit hat Matricula online ein neues Design (das „alte Matricula“ ist noch bis Ende 2017 in Betrieb, wird dann aber nicht weitergeführt).

Ich habe es inzwischen ausgiebig probiert. Es gibt tolle neue Funktionen und das Arbeiten mit dem neuen Matricula ist sehr angenehm!
Man kann nun über drei verschiedene Wege in die Kirchenbuchsuche einsteigen:

Menü Matricula

Matricula Online, Menüleiste

  • Bestände: Wie bisher kann man die Bestände durchsuchen und auswählen
  • Landkarte: Diese Funktion ist komplett neu und eine sehr hilfreiche Erweiterung. Über eine Suche nach einem Ort auf der Karte sieht man alle in der Nähe befindlichen Pfarren. Besonders, wenn man in einer Pfarre nicht weiterkommt mit der Suche, ist es sehr hilfreich gleich direkt auf mögliche Nachbarpfarren zugreifen zu können.
 (Blaue Markierungen auf der Karte zeigen den gesuchten Ort, rote Markierungen sind Pfarren, deren Bestände mit einem Klick direkt aufgerufen werden können.)
  • Ortssuche: Die Funktion Ortssuche wurde im Vergleich zu bisher deutlich verbessert. Man kann die Suche auf bestimmte Diözesen sowie auch auf bestimmte Jahre eingrenzen. Wenn man den Ort eingibt, kommen alle in Frage kommenden Pfarren mit Hinweisen zu Orten innerhalb der Pfarre und man kann direkt einsteigen.

Auch das Aussehen der Übersichtsseite zu Kirchenbüchern einer Pfarre hat sich verändert.
Für jede Pfarre ist jetzt ein Foto der Pfarrkirche enthalten, was ich sehr nett finde.
Außerdem wurde eine aktuelle sowie eine historische Landkarte (aus mapire, einer Seite mit historischen Landkarten) ergänzt, sodass man sehr schnell einen Überblick über die Lage des Ortes und die Verhältnisse der Gegend bekommen kann.

Bei den Kirchenbuchbeständen einer Pfarre kann man jetzt einen Filter anwenden und sich nur bestimmte Bücher anzeigen lassen. Weiters wurde ein Datumsfilter ergänzt, der die Eingrenzung auf bestimmte Zeiträume vereinfacht.

Wenn man das gesuchte Kirchenbuch gefunden hat, gibt es zwei Möglichkeiten:

  • Über das Buchsymbol erhält man Details zu diesem Buch.
  • Über das Kamerasymbol steigt man direkt in das Kirchenbuch ein.

Auch bei der Navigation mit den Kirchenbüchern gibt es Neuerungen:

Die meisten Funktionen sind selbsterklärend, ergänzend hier noch ein paar Hinweise:

  • Das Haussymbol setzt alle Einstellungen zurück.
  • Über das Symbol des Pfeils aus dem Rechteck gibt den direkten Link zur Seite, den man dann über die rechte Maustaste kopieren kann.
  • Mit Hilfe des Buchsymbols kann man die Seitenleiste ein- und ausblenden.
  • Das Infosymbol gibt genaue Infos zu dem Kirchenbuch, in dem man gerade ist. Diese Information ist früher teilweise direkt in der rechten oberen Ecke des Fensters gestanden. (Die Tatsache, dass man vor allem die Jahre des Buches jetzt erst extra aufrufen muss, empfinde ich übrigens als einen kleinen Nachteil des neuen Designs.)
    UPDATE 8.6.2017: Wie ich gerade gesehen habe, wurde das Informationskästchen in der rechten oberen Ecke wieder aufgenommen, es enthält Informationen zur Pfarre, Buchart, Signatur und zu den enthaltenen Jahren.

Die sowohl auf den Übersichtsseiten als auch in den Kirchenbuch-Seiten eingeblendete Navigationsleiste trägt einerseits zur Übersichtlichkeit bei und andererseits kann man schnell wieder zur Kirchenbücherübersicht einer Pfarre oder zur Beständeübersicht wechseln.

Matricula Navigationsleiste

Matricula online Navigationsleiste

Matricula online ist auch auf Englisch verfügbar: Man kann auf der Startseite rechts oben die Sprache ändern.

Was mir leider noch ganz fehlt, ist die Möglichkeit, einzelne Seiten der Kirchenbücher komplett als Datei herunterzuladen, wie sie zum Beispiel bei Familysearch angeboten wird. Hier muss man weiterhin mit Screenshots arbeiten.

Alles in Allem kann man aber sagen, dass das neue Matricula durch die vielen neuen Funktionen eine sehr gute Grundlage für das Recherchieren in Kirchenbüchern bietet.

Weiter Hinweise zum Arbeiten mit Kirchenbüchern findet ihr übrigens in diesem Post: Arbeiten mit Kirchenbüchern.

Die Herrschaft Heidenreichstein

Viele meiner Vorfahren waren Untertanen der Herrschaft Heidenreichstein im nördlichen Waldviertel in Niederösterreich. Grund genug, um euch dieses Gebiet näher vorzustellen!

Georg Mätthaus Vischer Topographia archiducatus Austriae Inferioris modernae 1672, Wien 1672

Georg Mätthaus Vischer Topographia archiducatus Austriae Inferioris modernae, Wien 1672

Allgemeines zu Grundherrschaften

Vorweg aber eine kurze Erklärung, was unter einer Grundherrschaft zu verstehen ist: Grundherrschaften waren ein Grundbaustein der Wirtschaft und der Gesellschaft in Österreich. Durch die Grundherrschaft wurden bestimmte Rechte und gegenüber den Einwohnern mit dem Besitz an Grund und Boden verbunden. Diese Rechte umfassten auch die Gerichts- und Verwaltungshoheit, das Recht auf Robot (eine Arbeitsleistung der Einwohner zu bestimmten Terminen) und das Recht auf Besteuerung. Als Gegenleistung war der Grundherr für den Schutz seiner Untertanen verantwortlich. Der Erwerb von Grundherrschaften war dem Adel und bestimmten geistlichen Institutionen vorbehalten.
Mit kaiserlichem Patent von 7. September 1848 wurden die Grundherrschaften im Kaisertum Österreich abgeschafft. Die Verwaltungshoheit und Gerichtsbarkeit ging auf Behörden über. [1]

Geschichte der Herrschaft Heidenreichstein

In Heidenreichstein steht die größte Wasserburg Österreichs, deren erste Teile vermutlich um 1180 vom ersten Burggrafen Heidenreich erbaut wurde. Im 13. Jahrhundert wird der Markt Heidenreichstein erstmals urkundlich erwähnt. Heidenreichstein war seit dem Spätmittelalter ein wichtiger Handelsplatz. Im 17. Jahrhundert gewann die Textilindustrie an Bedeutung und im 19. Jahrhundert waren Webereien im Herrschaftsgebiet weit verbreitet. [2] Auch die Glaserzeugung spielte eine wichtige Rolle in der Geschichte der Herrschaft, da die waldreiche Gegend die Entstehung von Glashütten begünstigte, so zum Beispiel in Aalfang und Nagelberg.

Heidenreichstein litt sowohl unter dem Dreißigjährigen Krieg im 17. Jahrhundert als auch den Franzosenkriegen im 19.Jahrhundert, als die Gegend durch die Franzosen besetzt war. [3]

Orte:

Die Herrschaft Heidenreichstein umfasste folgende Orte:
Heidenreichstein, Altmanns, Thaures, Reichenbach, Roitrechts, Willings, Kleinradischen, Ebersweis, Dietweis, Motten, Pfaffenschlag, Artolz, Arnolz Steinbach, Rohrbach, Brandt (Brand), Finsternau, Aalfang (Eilfang), Nagelberg, Reinberg, Pfaffenschlag, Eisenreichs, die Waldhütten Schwarzenberg, Kiensaß, Wiesmaden, Steinbach sowie Zuggers, Schwarzbach, Grundschachen und Rottenschachen, die im heutigen Tschechien liegen.

Das Alltagsleben 1840

Wie es sich in den 1840ern in der Herrschaft Heidenreichstein so lebte, beschreibt Freiherr von Schweickhardt in seiner Darstellung des Erzherzogthums Österreich unter der Enns [4]:

Die Herrschaft Heidenreichstein umfasste damals: „1320 Häuser, 2195 Familien, 4787 Manns-, 5104 Weibspersonen und 1336 Schulkinder, 147 Pferde, 1706 Ochsen, 1802 Kühe, 903 Schafe, 84 Ziegen und 1415 Schweine“.

„Gebaut werden Korn, Hafer, etwas Gerste und Sommerweizen, Erdäpfel aber in Menge, weil dieses Knollengewächs die vorzüglichste Nahrung des größeren Theils der Armen ist, (…) Flachs jedoch bei fast allen Gemeinden. Bei dem geringen hier bestehenden Bodenerträgniße und dem rauheren Klima ist es daher kein Wunder, wenn die Erzeugnisse alle aufgezehrt werden und kein Überfluß verbleibt. Die Einwohner würden daher schwer ihre Abgaben leisten können, fänden sie nicht an der Weberei eine Erwerbsquelle, welche dem Fehlenden nachhilft. Fast Alles ist hier Weber, den ganzen Tag hindurch klappern die Webstühle. (…) Die Viehzucht wird bloß zum eigenen Gebrauche betrieben. (…) Der Nutzen, den sie abwirft ist unbedeutend, weil Futtermangel hier herrscht und nichts Gutes gezogen wird.“

„Die ärmere Klasse der hierortigen Unterthanen beschäftigt sich mit Holzfällen für die auf den Herrschaften bestehenden Glasfabriken, dann mit Erzeugung der Hecheln für den Flachs.“

Webstuhl 1830 Wikimedia

Webstuhl, 1830 von Johann Schieß (1799-1844), Quelle: Wikimedia

Unterlagen und weitere Informationen

Wenn ihr auch Vorfahren in diesem Herrschaftsgebiet habt, ist das quasi ein „Glücksfall“, denn eine Vielzahl an Unterlagen zur Herrschaft Heidenreichstein ist online kostenlos einsehbar und zwar sowohl bei Familysearch als auch beim Niederösterreichischen Landesarchiv:

  • Familysearch: Sammlung „Österreich, Herrschaftsakten, 1537-1920“, (Pfad im Menü: Niederösterreich/Litschau/Herrschaft Heidenreichstein und Weissenbach)
    hier der direkte link
  • NÖ Landesarchiv: (Pfad im Menü: Gerichtsarchive, Bezirksgerichte/Grundherrschaftliche Provenienz/Litschau/Heidenreichstein und Weissenbach, Herrschaft)
; hier der link

(Heidenreichstein erhielt im Jahr 1850 ein Bezirksgericht, das jedoch im Jahr 1868 nach Litschau verlegt wurde. Unterlagen zur Herrschaft Heidenreichstein sind daher beim Bezirksgericht Litschau zu finden.)

Die online gestellten Bücher umfassen Folgendes:
– Grundbücher 1715 – 1885
– Gewährbücher 1786 – 1851
– Heiratsprotokolle und -rapulare 1747 – 1851
– Inventurrapulare und -protokolle 1758 – 1843
– Kaufprotokolle und -rapulare 1654 – 1838
– Satzprotokolle 1775 – 1851

(Welche Informationen sich in welcher Art von Büchern befinden, werde ich übrigens bald in einem separaten Post behandeln.)

Quellen

[1] Wien Wiki Geschichte, Eintrag zu Grundherrschaften
[2] Dehio Niederösterreich Nördlich der Donau, Verlag Anton Schroll & Co, Wien 1990,
Eintrag Heidenreichstein, Seite 412ff
[3] Wikipedia Eintrag Heidenreichstein
[4] Friedrich Schweickhardt (Freiherr von.): Darstellung des Erzherzogthums
Oesterreich unter der Ens, durch umfassende Beschreibung aller Burgen, Schlösser,
Herrschaften, Städte, Märkte, Dörfer, Rotten,C., C., topographisch-statistisch-
genealogisch-historisch bearb., und nach den bestehenden vier Kreisvierteln gereihet,
Sechster Band, Viertel Ober-Manhartsberg; Wien, gedruckt bei Anton Benko, 1840,
Seiten 37ff