Familie Linzer in Großwarasdorf – Matriken der Diözese Eisenstadt online

Familie Linzer in Großwarasdorf – Matriken der Diözese Eisenstadt online

Im letzten Dezember gab es ein Weihnachtsgeschenk für alle Ahnenforscher, die im Burgenland forschen: Die ersten Kirchenbücher burgenländischer Pfarren wurden vom Diözesanarchiv Eisenstadt online gestellt unter matriken.at. Grund genug, diese Bücher genau unter die Lupe zu nehmen und meine Nachforschungen zur Familie Linzer in Großwarasdorf voranzubringen.

Burgenländische Pfarren

Die Diözese Eisenstadt umfasst insgesamt 12 Dekanate und 172 Pfarren (hier eine Liste), die sich in der Monarchie auf ungarischem Gebiet befanden und von der Diözese Győr/Raab und der Diözese Szombathely/Steinamanger verwaltet wurden. Für diese Pfarren ging die Matrikenführung bereits im Jahr 1895 auf den Staat über (für andere österreichische Bundesländer war das erst 1938 der Fall). Im Jahr 1921 kam das Burgenland schließlich zur Österreich.

matriken.at – Website des Diözesanarchivs Eisenstadt

Derzeit läuft eine kostenlose Testphase bis Ende März. Vor der Nutzung ist eine Registrierung erforderlich. Weiterlesen

Franz Übelbacher – Todeserklärung eines Soldaten 1845

Franz Übelbacher – Todeserklärung eines Soldaten 1845

Bei der Recherche über die Familie Übelbacher bin ich in ANNO der Österreichischen Nationalbibliothek über folgende interessante Meldung gestoßen:

1844 10 21 Wiener Zeitung Ausschnitt Übelbacher Franz

Quelle: Wiener Zeitung 21.Oktober 1844 Seite 16, über ANNO der Österreichischen Nationalbibliothek

(Transkription: Gemeinen Franz Uebelbacher.  Von dem k. k. F. M. L. Ritter v. Heß Linien-Infanterie-Regiments,-Gerichte Nr 49 wird anmit bekannt
gemacht, daß Andreas und Michael Uebelbacher um Einberufung und sohinnige Todeserklärung ihres Bruders des dießseitigen Gemeinen Franz Uebelbacher gebethen haben, welcher zu Freyn, im Bezirke der Herrschaft Mitterau im V. O. W. W. in Oesterreich geboren, am 29 May 1813 zur 11. Compagnie des 49 Linien-Infanterie-Regiments, damahls Baron Kerpen, dermahlen Ritter v. Heß, assentirt, am 21. October 1813 als blessirt in ein ungenanntes Feldspital in Sachsen abgegeben wurde, und seitdem vermißt wird. Gemeiner Franz Uebelbacher wird demnach vorgeladen, binnen einem Jahre, vom Tage der Ausfertigung des gegenwärtigen Edictes so gewiß persönlich zu erscheinen, oder diesen Gerichte oder dem für ihn aufgestellten Curator, Herrn Lieutenant Adolf Lorenz des Regiments von seiner Existenz Nachricht zu geben; widrigens nach Ablauf dieses Termine über ferneres Ansuchen ohne weiters zu seiner Todeserklärung geschritten werden würde. St. Pölten am 12. October 1844)

Familie Übelbacher zu Freyen (Herrschaft Grünbichl)

Schloss Grünbühel

Quelle: Franz Xavier Joseph Schweickhardt, “Darstellung des Erzherzogthums Oesterreich unter der Enns Band 2″, Seite 234, über Google Books

Mein Ur-Ur-Ur-Urgroßvater war Andreas Übelbacher, der Bruder des besagten Franz Übelbacher. Er wurde am 17.11.1789 in Freyen in Niederösterreich (bei Kilb, südlich von Sankt Pölten) als Sohn von Leopold Übelbacher und seiner Frau Theresia, geborene Füllner, geboren. Alle waren „Grienbühler Unterthan“, also Untertanen der Herrschaft Grünbühel (auch Grünbichl genannt). Franz Übelbacher, geboren am 23.7.1793, war der jüngste der Brüder.

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Familie Jäger aus Seebarn (Herrschaftliche Inventur- und Abhandlungsprotokolle)

Familie Jäger aus Seebarn (Herrschaftliche Inventur- und Abhandlungsprotokolle)

Der fünffache Urgroßvaters meines Mannes war Joseph Jäger. Geboren wurde er in „Tisen in Tyrole“ (vermutlich Tisens bei Meran in Südtirol) als Sohn von Valentin Jäger. Einen Großteil seines Lebens verbrachte er jedoch weit weg von seinem Geburtsort, in Seebarn bei Korneuburg in Niederösterreich.

Seebarn bei Korneuburg

Das Dorf Seebarn läßt auch heute noch erahnen, wie es zu Zeiten von Joseph Jäger ausgesehen hat. Auf der einen Seite der Hauptstraße liegt das von einer Feldsteinmauer umfasste Schloss und der Schlossgarten.

Bilder: Ansicht des Schlosses Seebarn, Druckgrafik 1820, Österreichische Nationalbibliothek via www.kultur-pool.at, CC BY-NC-SA 3.0 und eigenes Foto

Das Schloss Seebarn kam über die Gräfin Maria Charlotte (Karoline) Wilczek, eine geborene Gräfin von St. Hilaire und Ehegattin von Heinrich Wilhelm Grafen von Wilczek, in den Besitz der Familie Wilczek. Nach dem Tod des Grafen im Jahr 1739 wurde es an seinen Sohn, Reichsgraf Josef Maria Kaspar Wilczek, übergeben.
Er und sein Vater vergrößerten das Schloss. [1] Der Osttakt, die zweigeschoßige Schlosskapelle und ein Wirtschaftstrakt wurden in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts erbaut.[2]

Gegenüber vom Schloss, auf der anderen Seite der Hauptstraße findet sich eine kleine Kapelle (die 1874 geweiht wurde) und mehrere Häuser, die um einen Obstgarten herum gebaut sind. Früher gab es einen Teich.

Familie Jäger

In Seebarn heiratete Joseph Jäger am 22.10.1769 Monica Pürkl (manchmal auch Pirkl, bei der Hochzeit verwitwete Fritsch). Im Heiratseintrag ist sein Beruf als  Bedienter beim Grafen von Willzeck“ angegeben.  Er dürfte also im Schloss Seebarn gearbeitet haben:1769 Jäger Pürkl Hochzeit

Quelle: Pfarre Harmannsdorf, Erzdiözese Wien, Tauf- Trauungs- und Sterbebuch Signatur 01,2,3-02, 1716-1784, fol 427, Seite 05-Trauung_0156 über Matricula Online

(Transkription und Übersetzung: Copulatus est Josephus Jäger Servus apud Comiti Wilzek, Valentini Jäger, vic. in Tisen in Tyrole, cum Monica Fritschin Vidua ex Seebarn; Getraut werden Joseph Jäger, Diener beim Grafen Wilzek, des Valentin Jäger, Nachbar in Tisen in Tirol, mit Monica Fritsch, Witwe aus Seebarn)

Das Ehepaar hatte drei gemeinsame Kinder, von denen allerdings nur Barbara Jäger das Kindesalter überlebte. Am 11.3.1777 verstarb Monica Jäger. Ihren Sterbeeintrag konnte ich in den Kirchenbüchern nicht finden, allerdings wurde ich bei den Herrschaftsakten fündig. Aus dem Inventur- und Abhandlungsprotokoll anläßlich ihres Todes gehen interessante Informationen über das Leben der Familie Jäger in Seebarn hervor.

Joseph Jäger hatte seinen Dienst im Schloss offensichtlich aufgegeben und gemeinsam mit seiner Frau ein Wirtshaus in Seebarn gepachtet. Monica Jäger wurde im Inventarium als „geweste hiesig Herrschaft. Bestand Wirtin zu Seebarn“bezeichnet:

1777 Inventarium Monica Jäger 1

Quelle: Inventur u. Abhandlungsprotokoll d. Hft. Kreuzenstein u. Leobendorf, 1771 – 1793, Signatur KG Stockerau 020/096, fol 297ff via FamilySearch.org

(Zur Einsicht der Akten ist eine kostenloste Anmeldung bei FamilySearch erforderlich.)

Die Auflistung des Vermögens enthielt Wein, Fleisch, Küchengeschirr, Mehl und Getreide und viele andere Positionen, die den Wirtshausbetrieb betrafen, sowie „Viech“ (eine Kuh, Schweine, Hühner und Enten – „Anten“). Vom Vermögen (141 Gulden und 20 Kreuzer) wurden die offenen Schulden abgezogen. Diese betrafen den Fleischhauer oder den Dienst Menschen“ und andere Handwerker. Daraufhin verblieben 16 Gulden und 58 Kreuzer.

Im Rahmen der Anhandlung wurden hierauf die Erben festgestellt:

1777 Inventarium Monica Jäger Erben

Quelle: Inventur u. Abhandlungsprotokoll d. Hft. Kreuzenstein u. Leobendorf, 1771 – 1793, Signatur KG Stockerau 020/096 fol 297ff, via FamilySearch.org

(Transkription: Erben
      –  der hinterbliebene Wittiber Joseph Jäger von der Verstorbenen 
      – die aus erster Ehe ehelichen Kinder
           Anton Emtinger zu Wien ein Bedienter (Anm.: in Wien als Bediensteter beschäftigt)
           Peter Paul, unwissend (Anm.: weitere Details unbekannt)
           Magdalena bey Hauß (Anm.: sie lebte bei ihrer Mutter und ihrem Stiefvater im Haus)
     – aus dritter Ehe
           Barbara Jägerin 5 Jahr alt)

Aus dem Heiratseintrag im Kirchenbuch ging bereits hervor, dass Monica Pürkl eine verwitwete Frau Fritsch war. Die Liste der Erben zeigt, dass sie zuvor auch schon eine Ehe geschlossen hatte, mit Herrn Emtinger (Vorname unbekannt). Aus dieser Ehe hatte sie drei Kinder in die Ehe mitgebracht. Mit Herrn Fritsch (Vorname ebenfalls unbekannt) hatte sie offensichtlich keine (überlebenden) Kinder. In den Kirchenbüchern der für Seebarn zuständigen Pfarre Harmansdorf konnte ich übrigens beide Vorehen der Monica Jäger nicht finden. Sie stammte ursrünglich aus „Grupaih, Mähren“, daher ist hier Weitersuchen angesagt. Laut Ortsverzeichnis auf Genteam gibt es mehrere Orte, die hier in Frage kommen könnten, zum Beispiel Ober- bzw Unter Krupa (heute Krupa Horni bzw Dolni) oder Krupei. Alle möglichen Orte liegen jedoch in Böhmen, nicht im Mähren.

Aus der Abhandlung der Verlassenschaft geht weiters hervor, dass Monica laut Aussage von Theresia Pirkl (ihre Schwester?) bereits zu Lebzeiten verkündet hatte, dass ihre Tochter Magdalena bestimmten Hausrat erhalten sollte (zum Beispiel eine „Tuchet mit blauem Überzug“, also eine Decke). Der Rest verblieb dem Ehemann Joseph. Die anderen Kinder  sollten nichts erhalten, insbesondere in Anbetracht der Tatsache, dass die Mutter über kein wesentliches Vermögen verfügt hat. Dem Vater wurde außerdem „die kristliche Erziehung seines leiblichen, aus dieser Ehe erzeugten Kindes beauftragt, dazu er sich auch willig erklärt hat.“

Nach dem Tod seiner ersten Ehefrau heiratete Joseph Jäger nochmals und am 21.7.1779 kam Sohn Johann auf die Welt. Seine Mutter war Josepha (ein Mädchenname findet sich in keinem Eintrag, den Hochzeitseintrag konnte ich bisher nicht finden). Mit Josepha hatte Joseph im Zeitraum 1779 – 1784 fünf Kinder. Nur Sohn Anton (geborgen am 17.1.1783) überlebte die Kindheit. Josephs zweite Frau Josepha verstarb am 11.3.1785 an „Scharbock“. Diese Krankheit ist auch als Skorbut bekannt, eine Vitaminmangelkrankheit, die bei anhaltendem Fehlen von Vitamin C in der Nahrung bei Menschen nach zwei bis vier Monaten auftritt.

Ihre Verlassenschaftsabhandlung zeigt, dass Joseph und Josepha den Wirtshausbetrieb offensichtlich fortgesetzt haben. Neu zum ehelichen Vermögen sind allerdings mehrere Äcker in der Gegend hinzugekommen. Vermutlich hat diese Grundstücke Josepha mit in die Ehe gebracht.

Die Hälfte des 400 Gulden ausmachenden Vermögens stand dem Joseph Jäger zu. Nach Abzug der Schulden wäre eigentlich Sohn Anton der Alleinerbe seiner Mutter gewesen. Es wurde jedoch festgestellt, dass bei der Hochzeit vereinbart worden war, dass Barbara, Josephs Tochter aus erster Ehe, die Hälfte des Erbes erhalten sollte. Beiden Kindern wurden also 76 Gulden und 47 Kreuzer zugesprochen.

Am 6.9.1787 heiratete Joseph ein drittes Mal. Seine Gattin Rosalia Zass/Zöß war die Pfarrersköchin aus dem benachbarten Manhartsbrunn. Sie war 20 Jahre jünger als ihr mittlerweile 45-jähriger Ehemann.

1784 Zapp Rosalia Hochzeit

Quelle: Pfarre Harmannsdorf, Erzdiözese Wien, Trauungsbuch Sinatur 02-03, 1784-1841, fol 239, Seite 02-Trauung_0104 über Matricula Online

Tragischerweise verstarb auch Rosalia nicht einmal fünf Jahre nach der Hochzeit kurz nach der Geburt (und dem Tod) des zweiten Kindes im Jahr 1790 an Misere (Erbrechen des Darminhalts aufgrund zB eines Darmverschlusses).

Ihre Verlassenschaftsabhandlung gibt ebenfalls wertvolle Informationen:

1790 Jäger Rosalia Inventarium 1

Quelle: Inventur u. Abhandlungsprotokoll d. Hft. Kreuzenstein u. Leobendorf, 1771 – 1793, Signatur KG Stockerau 020/096 fol 730ff, via FamilySearch.org

Jospeh und Rosalia führten das Wirtshaus offensichtlich nicht weiter, dafür ist beim Vermögen eine neue Position dazugekommen: „das neu gebaute Kleinhäusl neben der Herrschaft Breiten und Johann Döltl gelegen samt dazu gehörigem Gartl“. Die Eheleute hatten gemeinsam ein Haus gebaut, das mit 150 Gulden bewertet wurde. Die weiterhin vorhandenen Ackergrundstücke sowie Tiere (Kuh, Schafe und Hühner) passten zum Leben als Kleinhäusler. In Summe betrug das eheliche Vermögen beachtliche 459 Gulden und 49 Kreuzer.

Das Inventarium zeigt aber auch, dass die Kosten für die Errichtung des Hauses noch nicht abbezahlt waren. So wurden an Schulden Kosten für Steine, oder für den Tischler abgezogen. Außerdem dürfte das Ehepaar nicht nur den Grund für das Haus vom Grafen Wilczek gekauft (noch nicht gänzlich bezahlt) haben, sondern auch Geld von ihm geborgt haben, da 38 Gulden für die Position „Herrn Grafen Wilczek an Kapital“ als offene Schulden aufgelistet waren. Auch die Beträge, die Barbara und Anton Jäger von der Verlassenschaft von Josepha Jäger zustanden, waren noch nicht beglichen und wurden als Schulden erfasst.

1790 Jäger Rosalia Inventarium Schulden

Quelle: Inventur u. Abhandlungsprotokoll d. Hft. Kreuzenstein u. Leobendorf, 1771 – 1793, Signatur KG Stockerau 020/096 fol 730ff, via FamilySearch.org 

Die Erbschaft fiel zu zwei Dritteln an Joseph Jäger sowie zu einem Drittel an das einzig überlebende Kind der Ehe, Josepha.

Joseph Jäger selbst verstarb mit 65 Jahren, am 23.3.1805 in Seebarn „in seiner Wohnung Nr. 23“ an einem Lungengeschwür. Er lebte zu dieser Zeit bei seiner Tochter Barbara und deren Mann, (Johann) Paul Stich, denen er im Jahr 1792 sein Kleinhäusel übertragen hatte (der Kaufvertrag findet sich übrigens ebenfalls hier auf FamilySearch). Im Kaufkontrakt wurde Joseph Jäger „lebenslange Herberg“ zugesichert.

Aus seiner Verlassenschaftsabhandlung geht hervor, dass Joseph Jäger ein Testament gemacht hatte und seinen Besitz, insbesondere die Äcker, auf seine drei Kinder Barbara, Anton und Josepha aufgeteilt hat.

Praktische Tipps zum Auffinden von Herrschaftsakten

Die Geschichte der Familie Jäger zeigt, dass Herrschaftsakten eine wertvolle Quelle darstellen. Durch sie konnte ich viele Details über das Leben der Familie Jäger im 18. Jahrhundert in Erfahrung bringen, die ich über Kirchenbücher alleine nie gefunden hätte.

Teilweise kann es schwierig werden, die richtige Herrschaft herauszufinden. Manchmal findet sich dazu eine Anmerkung in Kirchenbucheinträgen („Untertan der Herrschaft…“). Eine weitere Schwierigkeit besteht darin festzustellen, an welches Bezirks- oder Kreisgericht die Herrschaftsakten übergeben wurden. Ich empfehle hier vorerst eine Suche im Findbuch des Landesarchivs Niederösterreich nach dem gesuchten Ort (Klick auf das Fernglas in der Menüleiste). Die Treffer zeigen die Sammlungen, in welchen Akten enthalten sind. Teilweise sind die Akten bereits im Findbuch online einsehbar. Wenn dies nicht der Fall ist, kann man im Katalog von Familysearch in der Sammlung der österreichischen Herrschaftsakten nach dem jeweiligen Bestand zu suchen und hat möglicherweise Glück und kann online in die Bücher Einsicht nehmen.

Im September/Oktober 1811  war übrigens der Dichter Joseph Freiherr von Eichendorff im Schloss Seebarn zu Gast. So wurde Seebarn auch einer der Schauplätze in seiner 1826 veröffentlichten Novelle „Aus dem Leben eines Taugenichts“.[3] Vielleicht konnten Joseph Jägers Kinder einen Blick auf den berühmten Gast erhaschen?

Quellen

[1] www.seebarn.at
[2] DEHIO Niederösterreich Nördlich der Donau, 1990, Eintrag Seebarn, Seite 1074
[3] Historische Gärten Österreichs: Niederösterreich, Burgenland von Eva Berger, über Google Books

Wo wohnten meine Vorfahren? – Die Geschichte der Familie Prankl geht weiter (zurück)

Vielleicht könnt ihr euch noch an meinen Vorfahren Joseph Prankl, den Hammerschmied in Gaming erinnern? Bis vor Kurzem war er eine Sackgasse in meiner Ahnenforschung. Durch einen Blick ins Grundbuch von Gaming konnte ich jedoch mehrere bisher fehlende Generationen in diesem Zweig meines Stammbaumes ergänzen.

Nagelschmied

Bild: „Clauicularius. Der Nagler.“  von Amman, Jost (Holzschneider) aus dem Buch Ständebuch & Handwerk & Nagelschmied & Schlosser & Schmied, Public Domain via Wikimedia Commons/Deutsche Fotothek

Joseph Prankl erwarb im Jahr 1794 das Haus „Siebente Hofstadt in der Au“ in Gaming im Mostviertel Niederösterreichs. Das war auch aus dem Grundbuch ersichtlich, in welches ich vor ein paar Wochen im Niederösterreichischen Landesarchiv in Bad Pirawarth Einsicht nehmen konnte.

„1794 Joseph Prankl, Solus“ war im Grundbuchblatt als Besitzer eingetragen. In der darauffolgenden Zeile war Folgendes vermerkt: „1794 Joseph et Maria uxor ab anno 1794, in Gewährbuch fol 43 pro 1530 fl.“ Joseph Prankl hatte also im Jahr 1794 nicht nur das Grundstück erworben, sondern auch kurz darauf geheiratet. Das Jahr war der entscheidende Hinweis, den Trauungseintrag von Joseph Prankl (Joseph Bränkl) zu finden: Weiterlesen

Neue Pfarren bei Matricula Online verfügbar (Gurk und Subotica)

Matricula Online hat folgende Neuigkeiten auf der Homepage verkündet:

  • Neue Pfarren der Diözese Gurk wurden online gestellt – hier der Link zum vollen Bestand der Diözese. Folgende Pfarren sind neu:
    Stall, Steinbichl, Stein im Jauntal/Kamen v Podjuni, Sternberg/Strmec, Steuerberg, Stift Griffen/Grebinjski Klošter, Stockenboi, Stranig, Strassburg, St. Salvator, St. Stefan am Krappfeld, St. Stefan an der Gail, St. Stefan bei Dürnstein, St. Stefan bei Niedertrixen, St. Stefan-Finkenstein/Šteben-Bekštanj, St. Stefan unter Feuersberg/Šteben, St. Thomas am Zeiselberg, St. Ulrich am Johannserberg, St. Ulrich an der Goding, St. Ulrich bei Feldkirchen, St. Urban bei Feldkirchen, St. Veit an der Glan, St. Veit im Jauntal/Št. Vid v Podjuni, St. Walburgen, Sütschach/Svece
  • Erste Matrikenbücher aus dem Historischen Archiv Subotica sind nun online verfügbar – hier der link zum Bestand in Matricula.

Matricula: Neue Pfarren des Bistums Magdeburg und des Bistums Münster online

Bistum Magdeburg

Am 2. Juni wurde folgendes von Matricula online bekannt gegeben:

„Soeben wurden 60 weitere deutsche katholische Pfarreien online geschaltet. Diesmal aus dem Bistum Magdeburg. Wir freuen uns über diesen Zuwachs und heißen dieses herzliche willkomen in der Matricula-Familie!“

Unter diesem link könnt ihr die neuen Pfarren und Bücher finden:
http://data.matricula-online.eu/de/deutschland/magdeburg/

Bistum Münster

Bereits am 23.Mai 2017 wurden erste Pfarren des Bistums Münster online gestellt. Es handelt sich um alle Pfarren mit den Anfangsbuchstaben A – F.

Unter diesem Link findet ihr die Pfarren:
http://data.matricula-online.eu/de/deutschland/muenster/

Weitere Pfarren aus Deutschland bei Matricula online

Seit Längerem sind ja bereits Pfarren der deutschen Bistümer Hildesheim und Passau online.

Tipps zum Arbeiten mit Matricula online findet ihr auch hier:

 

Matricula im neuen Design

Matricula im neuen Design

Seit einiger Zeit hat Matricula online ein neues Design (das „alte Matricula“ ist noch bis Ende 2017 in Betrieb, wird dann aber nicht weitergeführt).

Ich habe es inzwischen ausgiebig probiert. Es gibt tolle neue Funktionen und das Arbeiten mit dem neuen Matricula ist sehr angenehm!
Man kann nun über drei verschiedene Wege in die Kirchenbuchsuche einsteigen:

Menü Matricula

Matricula Online, Menüleiste

  • Bestände: Wie bisher kann man die Bestände durchsuchen und auswählen
  • Landkarte: Diese Funktion ist komplett neu und eine sehr hilfreiche Erweiterung. Über eine Suche nach einem Ort auf der Karte sieht man alle in der Nähe befindlichen Pfarren. Besonders, wenn man in einer Pfarre nicht weiterkommt mit der Suche, ist es sehr hilfreich gleich direkt auf mögliche Nachbarpfarren zugreifen zu können.
 (Blaue Markierungen auf der Karte zeigen den gesuchten Ort, rote Markierungen sind Pfarren, deren Bestände mit einem Klick direkt aufgerufen werden können.)
  • Ortssuche: Die Funktion Ortssuche wurde im Vergleich zu bisher deutlich verbessert. Man kann die Suche auf bestimmte Diözesen sowie auch auf bestimmte Jahre eingrenzen. Wenn man den Ort eingibt, kommen alle in Frage kommenden Pfarren mit Hinweisen zu Orten innerhalb der Pfarre und man kann direkt einsteigen.

Auch das Aussehen der Übersichtsseite zu Kirchenbüchern einer Pfarre hat sich verändert.
Für jede Pfarre ist jetzt ein Foto der Pfarrkirche enthalten, was ich sehr nett finde.
Außerdem wurde eine aktuelle sowie eine historische Landkarte (aus mapire, einer Seite mit historischen Landkarten) ergänzt, sodass man sehr schnell einen Überblick über die Lage des Ortes und die Verhältnisse der Gegend bekommen kann.

Bei den Kirchenbuchbeständen einer Pfarre kann man jetzt einen Filter anwenden und sich nur bestimmte Bücher anzeigen lassen. Weiters wurde ein Datumsfilter ergänzt, der die Eingrenzung auf bestimmte Zeiträume vereinfacht.

Wenn man das gesuchte Kirchenbuch gefunden hat, gibt es zwei Möglichkeiten:

  • Über das Buchsymbol erhält man Details zu diesem Buch.
  • Über das Kamerasymbol steigt man direkt in das Kirchenbuch ein.

Auch bei der Navigation mit den Kirchenbüchern gibt es Neuerungen:

Die meisten Funktionen sind selbsterklärend, ergänzend hier noch ein paar Hinweise:

  • Das Haussymbol setzt alle Einstellungen zurück.
  • Über das Symbol des Pfeils aus dem Rechteck gibt den direkten Link zur Seite, den man dann über die rechte Maustaste kopieren kann.
  • Mit Hilfe des Buchsymbols kann man die Seitenleiste ein- und ausblenden.
  • Das Infosymbol gibt genaue Infos zu dem Kirchenbuch, in dem man gerade ist. Diese Information ist früher teilweise direkt in der rechten oberen Ecke des Fensters gestanden. (Die Tatsache, dass man vor allem die Jahre des Buches jetzt erst extra aufrufen muss, empfinde ich übrigens als einen kleinen Nachteil des neuen Designs.)
    UPDATE 8.6.2017: Wie ich gerade gesehen habe, wurde das Informationskästchen in der rechten oberen Ecke wieder aufgenommen, es enthält Informationen zur Pfarre, Buchart, Signatur und zu den enthaltenen Jahren.

Die sowohl auf den Übersichtsseiten als auch in den Kirchenbuch-Seiten eingeblendete Navigationsleiste trägt einerseits zur Übersichtlichkeit bei und andererseits kann man schnell wieder zur Kirchenbücherübersicht einer Pfarre oder zur Beständeübersicht wechseln.

Matricula Navigationsleiste

Matricula online Navigationsleiste

Matricula online ist auch auf Englisch verfügbar: Man kann auf der Startseite rechts oben die Sprache ändern.

Was mir leider noch ganz fehlt, ist die Möglichkeit, einzelne Seiten der Kirchenbücher komplett als Datei herunterzuladen, wie sie zum Beispiel bei Familysearch angeboten wird. Hier muss man weiterhin mit Screenshots arbeiten.

Alles in Allem kann man aber sagen, dass das neue Matricula durch die vielen neuen Funktionen eine sehr gute Grundlage für das Recherchieren in Kirchenbüchern bietet.

Weiter Hinweise zum Arbeiten mit Kirchenbüchern findet ihr übrigens in diesem Post: Arbeiten mit Kirchenbüchern.

Die Herrschaft Heidenreichstein

Viele meiner Vorfahren waren Untertanen der Herrschaft Heidenreichstein im nördlichen Waldviertel in Niederösterreich. Grund genug, um euch dieses Gebiet näher vorzustellen!

Georg Mätthaus Vischer Topographia archiducatus Austriae Inferioris modernae 1672, Wien 1672

Georg Mätthaus Vischer Topographia archiducatus Austriae Inferioris modernae, Wien 1672

Allgemeines zu Grundherrschaften

Vorweg aber eine kurze Erklärung, was unter einer Grundherrschaft zu verstehen ist: Grundherrschaften waren ein Grundbaustein der Wirtschaft und der Gesellschaft in Österreich. Durch die Grundherrschaft wurden bestimmte Rechte und gegenüber den Einwohnern mit dem Besitz an Grund und Boden verbunden. Diese Rechte umfassten auch die Gerichts- und Verwaltungshoheit, das Recht auf Robot (eine Arbeitsleistung der Einwohner zu bestimmten Terminen) und das Recht auf Besteuerung. Als Gegenleistung war der Grundherr für den Schutz seiner Untertanen verantwortlich. Der Erwerb von Grundherrschaften war dem Adel und bestimmten geistlichen Institutionen vorbehalten.
Mit kaiserlichem Patent von 7. September 1848 wurden die Grundherrschaften im Kaisertum Österreich abgeschafft. Die Verwaltungshoheit und Gerichtsbarkeit ging auf Behörden über. [1]

Geschichte der Herrschaft Heidenreichstein

In Heidenreichstein steht die größte Wasserburg Österreichs, deren erste Teile vermutlich um 1180 vom ersten Burggrafen Heidenreich erbaut wurde. Im 13. Jahrhundert wird der Markt Heidenreichstein erstmals urkundlich erwähnt. Heidenreichstein war seit dem Spätmittelalter ein wichtiger Handelsplatz. Im 17. Jahrhundert gewann die Textilindustrie an Bedeutung und im 19. Jahrhundert waren Webereien im Herrschaftsgebiet weit verbreitet. [2] Auch die Glaserzeugung spielte eine wichtige Rolle in der Geschichte der Herrschaft, da die waldreiche Gegend die Entstehung von Glashütten begünstigte, so zum Beispiel in Aalfang und Nagelberg.

Heidenreichstein litt sowohl unter dem Dreißigjährigen Krieg im 17. Jahrhundert als auch den Franzosenkriegen im 19.Jahrhundert, als die Gegend durch die Franzosen besetzt war. [3]

Orte:

Die Herrschaft Heidenreichstein umfasste folgende Orte:
Heidenreichstein, Altmanns, Thaures, Reichenbach, Roitrechts, Willings, Kleinradischen, Ebersweis, Dietweis, Motten, Pfaffenschlag, Artolz, Arnolz Steinbach, Rohrbach, Brandt (Brand), Finsternau, Aalfang (Eilfang), Nagelberg, Reinberg, Pfaffenschlag, Eisenreichs, die Waldhütten Schwarzenberg, Kiensaß, Wiesmaden, Steinbach sowie Zuggers, Schwarzbach, Grundschachen und Rottenschachen, die im heutigen Tschechien liegen.

Das Alltagsleben 1840

Wie es sich in den 1840ern in der Herrschaft Heidenreichstein so lebte, beschreibt Freiherr von Schweickhardt in seiner Darstellung des Erzherzogthums Österreich unter der Enns [4]:

Die Herrschaft Heidenreichstein umfasste damals: „1320 Häuser, 2195 Familien, 4787 Manns-, 5104 Weibspersonen und 1336 Schulkinder, 147 Pferde, 1706 Ochsen, 1802 Kühe, 903 Schafe, 84 Ziegen und 1415 Schweine“.

„Gebaut werden Korn, Hafer, etwas Gerste und Sommerweizen, Erdäpfel aber in Menge, weil dieses Knollengewächs die vorzüglichste Nahrung des größeren Theils der Armen ist, (…) Flachs jedoch bei fast allen Gemeinden. Bei dem geringen hier bestehenden Bodenerträgniße und dem rauheren Klima ist es daher kein Wunder, wenn die Erzeugnisse alle aufgezehrt werden und kein Überfluß verbleibt. Die Einwohner würden daher schwer ihre Abgaben leisten können, fänden sie nicht an der Weberei eine Erwerbsquelle, welche dem Fehlenden nachhilft. Fast Alles ist hier Weber, den ganzen Tag hindurch klappern die Webstühle. (…) Die Viehzucht wird bloß zum eigenen Gebrauche betrieben. (…) Der Nutzen, den sie abwirft ist unbedeutend, weil Futtermangel hier herrscht und nichts Gutes gezogen wird.“

„Die ärmere Klasse der hierortigen Unterthanen beschäftigt sich mit Holzfällen für die auf den Herrschaften bestehenden Glasfabriken, dann mit Erzeugung der Hecheln für den Flachs.“

Webstuhl 1830 Wikimedia

Webstuhl, 1830 von Johann Schieß (1799-1844), Quelle: Wikimedia

Unterlagen und weitere Informationen

Wenn ihr auch Vorfahren in diesem Herrschaftsgebiet habt, ist das quasi ein „Glücksfall“, denn eine Vielzahl an Unterlagen zur Herrschaft Heidenreichstein ist online kostenlos einsehbar und zwar sowohl bei Familysearch als auch beim Niederösterreichischen Landesarchiv:

  • Familysearch: Sammlung „Österreich, Herrschaftsakten, 1537-1920“, (Pfad im Menü: Niederösterreich/Litschau/Herrschaft Heidenreichstein und Weissenbach)
    hier der direkte link
  • NÖ Landesarchiv: (Pfad im Menü: Gerichtsarchive, Bezirksgerichte/Grundherrschaftliche Provenienz/Litschau/Heidenreichstein und Weissenbach, Herrschaft)
; hier der link

(Heidenreichstein erhielt im Jahr 1850 ein Bezirksgericht, das jedoch im Jahr 1868 nach Litschau verlegt wurde. Unterlagen zur Herrschaft Heidenreichstein sind daher beim Bezirksgericht Litschau zu finden.)

Die online gestellten Bücher umfassen Folgendes:
– Grundbücher 1715 – 1885
– Gewährbücher 1786 – 1851
– Heiratsprotokolle und -rapulare 1747 – 1851
– Inventurrapulare und -protokolle 1758 – 1843
– Kaufprotokolle und -rapulare 1654 – 1838
– Satzprotokolle 1775 – 1851

(Welche Informationen sich in welcher Art von Büchern befinden, werde ich übrigens bald in einem separaten Post behandeln.)

Quellen

[1] Wien Wiki Geschichte, Eintrag zu Grundherrschaften
[2] Dehio Niederösterreich Nördlich der Donau, Verlag Anton Schroll & Co, Wien 1990,
Eintrag Heidenreichstein, Seite 412ff
[3] Wikipedia Eintrag Heidenreichstein
[4] Friedrich Schweickhardt (Freiherr von.): Darstellung des Erzherzogthums
Oesterreich unter der Ens, durch umfassende Beschreibung aller Burgen, Schlösser,
Herrschaften, Städte, Märkte, Dörfer, Rotten,C., C., topographisch-statistisch-
genealogisch-historisch bearb., und nach den bestehenden vier Kreisvierteln gereihet,
Sechster Band, Viertel Ober-Manhartsberg; Wien, gedruckt bei Anton Benko, 1840,
Seiten 37ff

Online Indexieren bei Familysearch

Gestern habe ich beim Stöbern auf Familysearch eine neue Funktionalität entdeckt: Die „Indexierung im Internet“. Man kann sich ganz leicht dafür anmelden, es gibt ausführliche Erklärungen und Hilfsfunktionen.

Nach einem Probedurchlauf bekommt man eine kurze Auswahl an möglichen Indexierungsprojekten, die alle in etwa 30 Minuten Zeit kosten. Es sind verschiedene Schwierigkeitsgrade auswählbar.

Zum Einstieg habe ich mir diese Sammlung ausgesucht: „US, Pennsylvania—World War II Draft Registrations, 1940–1945“. Der Satz hat 10 maschinengeschriebene Karten enthalten, die man in Bildern sieht und beliebig vergrößern kann. Es war anfangs in einer Projektanleitung klar erklärt, was und wie indexiert werden soll und es sind viele Hilfefelder verfügbar, wenn man nicht genau weiß, was man tun soll. Nach 20 Minuten war ich fertig – ein gutes Gefühl!

Anschließend war die Auswahl an Projekten schon viel größer und auch ein österreichisches ist dabei: Die Matriken der Diözese Gurk. Da konnte ich natürlich nicht widerstehen, auch wenn die „fortgeschrittene“ Kenntnisse gefragt waren. Dieser Satz war schon nicht mehr so leicht lesbar aufgrund der Handschrift, aber es geht natürlich auch das.

Ich finde die webbasierte Indexierung von Familysearch wirklich gut gemacht und einfach.

Aber ich ziehe auch meinen Hut vor allen, die so fleißig Matriken und andere Dokumente indexieren und indexiert haben. Das ist eine mühsame Kleinarbeit – wie mühsam weiß man erst, wenn man es selber probiert und rätselt, welcher Name da stehen könnte… DANKE! Denn ohne die fleißigen Indexier wäre meine Forschung sicher nicht so umfangreich, wie sie es heute ist.

Wie finde ich Vorfahren in Wien?

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Parterre in Schönbrunn von Alois Greil (1841-1902) aus dem Buch „Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild“, Band Wien, WIen 1886, Seite 115

Wien – Geschichte

Wien war insbesondere in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts als Hauptstadt der österreichisch-ungarischen Monarchie eine rasch wachsende Großstadt. In dieser Zeit wurden unter anderem auch die Stadtbahn und die Hochquellwasserleitung errichtet.
Während Wien im Jahr 1880 726.000 EInwohner zählte, waren dies 1890 – nachdem die Vororte eingemeindet worden waren – 1.365.000. Im Jahr 1910 wohnten 2.031.000 Menschen in der Stadt (1).
Auch während des ersten Weltkriegs kamen unzählige Kriegsflüchtlinge in die Stadt.
Heute sind es übrigens 1.841.000 Einwohner.

Durch die hohe Zahl der Zuwanderungen wird Wien auch in der Genealogie für viele interessant, deren Vorfahren es nach Wien zog.

Familienforschung – Quellen für Wien

Da es gar nicht so leicht ist, seine Vorfahren in Wien zu finden, möchte ich heute einige Tipps und Quellen dafür erläutern.

Adolph Lehmann’s allgemeiner Wohnungs-Anzeiger

Eine gute Quelle, um Wiener Vorfahren zu finden, ist der „Lehmann“ („Adolph Lehmann’s allgemeiner Wohnungs-Anzeiger“) ein Verzeichnis, der Einwohner Wiens, welches jährlich von 1859 – 1942 herausgegeben wurde. Der Lehmann wurde digitalisiert und ist auf der Homepage „Wienbibliothek Digital“ (hier der link) kostenfrei einsehbar.

Im Verzeichnis werden die Haushaltsvorstände (aber nicht deren Ehefrauen oder Kinder), meist mit Beruf, aufgeführt. Nicht im Lehmann enthalten sind Gewerbegeholfen, Taglöhner und Dienstboten.
Der Lehmann enthält mehrere Abschnitte, die über das Menü auf der Homepage ausgewählt werden könnnen. Da gibt es neben Behördenverzeichnissen und Firmenverzeichnissen auch Sehenswürdigkeiten oder ein Verzeichnis der Zeitungen (Inhalt variiert je Jahrgang). Das für Ahnenforscher wohl am interessanteste Verzeichnis ist das „Namensverzeichnis“. Das digitalisierte Namensverzeichnis kann nach Buchstaben ausgewählt werden.

Oft gibt es auch „Straßenverzeichnis“, in welchem unter anderem die Pfarrzugehörigkeit einer Adresse ersichtlich ist.
Für einige Jahre (zB 1925) gibt es auch einen „umgekehrten Lehmann“, das sogenannte Häuserverzeichnis. Dies ist ein Verzeichnis der Einwohner, das nicht nach Namen, sondern nach Adressen geordnet ist. Hier kann man feststellen, wer unter einer bestimmten Adresse wohnhaft war, um beispielsweise zu erfahren, wer die Nachbarn unserer Vorfahren waren.

Verstorbenensuche der Friedhöfe Wien

Die Verstorbenensuche der Friedhöfe Wien (hier der link) gibt nicht nur Treffer von bestehenden Gräbern, sondern auch für historische (also bereits aufgelassene) Gräber und ist damit eine nicht zu unterschätzende Quelle der Ahnenforschung.

Im Suchresultat können nützliche Informationen wie Lebensalter, Geburtsdatum und Sterbedatum enthalten sein. Es sind außerdem weitere Personen, die im selben Grab bestattet sind, angeführt. Hier handelt es sich mit hoher Wahrscheinlichkeit um Verwandte, Ehepartner oder Kinder.
Bei der historischen Suche ist zu beachten, dass die Personen, die unter „Weiters in diesem Grab bestattet“ nicht unbedingt verbundene Personen sein müssen, es kann sich auch um familienfremde Personen handeln, die zu einem anderen Zeitpunkt in diesem Grab bestattet waren.

Es zahlt sich jedenfalls aus, immer die Suche nach aktuellen Gräbern und historischen Gräbern durchzuführen, ganz unten in der Suchmaske gibt es eine Auswahlmöglichkeit.
Ein Übersichtsplan auf der Homepage zeigt übrigens auch die Lage des Grabes auf dem jeweiligen Friedhof.

Meldezettel Familysearch

Familysearch bietet im Katalog eine interessante Sammlung:
Österreich, Niederösterreich, Wiener Meldezettel 1850-1896

Die Jahresangabe der Sammlung ist irreführend. Tatsächlich handelt es sich um Meldezettel ab ca. 1905, die aber Personen, die vor 1897 geboren wurden, betreffen.
Das Suchergebnis bietet Informationen über Geburtsdatum, Geburtsort, Ehepartner und Wohnbezirk (keine genaue Adresse).
Die Original-Meldezettel liegen übrigens im Wiener Stadt- und Landesarchiv auf. Die Einsicht dort ist kostenlos. Man kann aber auch über ein Kontaktformular Anfragen stellen, um die konkrete Adresse der gemeldeten Personen zu erfahren. Achtung, diese Anfrage ist kostepflichtig und Recherche kostet pro angefangene halbe Stunde Arbeitszeit 35 Euro.

Weitere Datenbanken

Sowohl die Datenbanken von genteam (kostenfreie Registrierung erforderlich) als auch die Datenbanken des Vereins Familia Austria (teilweise kostenfrei, teilweise an die Mitgliedschaft im Verein gebunden) geben Informationen über Wiener Einwohner.
In beiden Datenbanken sind Einträge zu Wiener Taufen, Trauungen und Sterbefällen enthalten. Bei Familia Austria wurden die Einträge der Vertorbenen der Wiener Zeitung erfasst. Diese sind auch in ANNO der Österreichischen Nationalbibliothek über die Suche nach Namen abfragbar. Hier kann es aber sein, dass die Namen über die Volltextsuche nicht fehlerlos dargestellt werden.

Historische Stadtpläne, Karten und Fotos

Das Wien-Wiki bietet verschiedene historische Karten von Wien.

Es gibt dort außerdem eine Liste topographischer Objekte, wo man nach einer Straße suchen kann und Informationen (über Pfarrzugehörigkeit oder besondere Objekte) erhält.

In der Bildergalerie sind zahlreiche Ansichten alter Wiener Gebäude enthalten. Wenn man Glück hat, ist das gesuchte Wohnhaus dabei. Andernfalls bekommt man zumindest eine Idee, wie es in einer Gegend Wiens früher ausgeschaut hat.

 

Auf der Seite der Wienbibliothek digital gibt es ebenfalls sehr interessante Straßenkarten und Pläne des historischen Wiens.

Quelle:

(1) https://www.wien.gv.at/kultur/archiv/geschichte/ueberblick/stadtwachstum.html

Grundbuch und Familienforschung – Familie Weihs in Sachsendorf

Eintragungen in Grundbüchern geben einen guten Einblick in die Familiengeschichte, darum will ich heute darüber berichten.

Einführung des Grundbuches in Österreich und Allgemeines

Maria Theresia ließ in Österreich ab 1770 ein erstes Häuserverzeichnis anlegen (siehe hier), den Vorreiter des heutigen Grundbuches. Grundbücher enthalten eine Vielzahl an Informationen über Grundstücke und deren Besitzer. Heute beschränke ich mich allerdings auf die Grundstücksbesitzer.

Dokumente bei Familysearch

Bei Familysearch sind viele österreichische Herrschaftsakten online einsehbar (kostenlose Registrierung erforderlich). Man sieht die verfügbaren Bücher, indem man im Menü auf „Suche“ und „Katalog“ auswählt und bei Ort „Austria“ eingibt.
In der Auswahlmaske öffnet man die „Court Records“ und ist schon am Ziel:
Austria, seigniorial records = Österreich, Herrschaftsakten, 1537-1920

Familie Weihs in Sachsendorf

Am Beispiel der Familie Weihs aus Sachsendorf (Bezirk Kirchberg am Wagram, Niederösterreich) möchte ich nun die Hilfe, die ein Grundbuchblatt bei der Familienforschung bieten kann, erläutern.

Mathias Weihs war mein Ur-Ur-Ur-Ur-Urgroßvater. Ich weiß bisher, dass er im Jahr 1724 in Kollersdorf bei Sachsendorf geboren wurde und mit Anna Maria Leuthner, verwittwete Kienast, verheiratet war. Viel mehr habe ich zu seiner Familie (bis auf meinen direkten Vorfahren, seinen Sohn Paul) bisher nicht erforscht.

Titel Grundbuch Sachsensdorf, NIederösterreich

Titel Grundbuch Sachsensdorf, Niederösterreich, Quellenangabe siehe Ende des Posts

Durch das „Haus-Überland-Grundbuch Amt Sachsendorf“, welches bei Familysearch online verfügbar ist (Quellenangabe siehe Ende des Posts), habe ich herausgefunden, dass Mathias Weihs mehrere Grundstücke in Sachsendorf besessen hat.
Eines davon war dieses:

Titel des Grundbucheintrages, Quellenangabe siehe Ende des Posts

Titel des Grundbucheintrages, Quellenangabe siehe Ende des Posts

Transkription: Von einem Bauernhaus, dareingehören 3 1/2 Joch Acker

Aus dem Grundbucheintrag geht folgende Besitzerkette hervor:

Besitzerkette Eintrag Grundbuch Sachsendorf, Quellenangabe siehe Ende des Posts

Besitzerkette Eintrag Grundbuch Sachsendorf, Quellenangabe siehe Ende des Posts

Folgende Personen waren also Besitzer des Bauernhauses:

  • Mathias Weihs und seine Ehefrau Anna Maria („ux.“ ist kurz für uxoris, Ehefrau) von 1759 an
  • Franz Weihs zuerst ledigen Standes ab 1788 und dann mit seiner Ehefrau Elisabeth ab 1790 (aus Sachsendorf, frühere Schreibweise Saxendorf)
  • Joseph Weihs, ledigen Standes ab 1817 durch Kauf (für 4000 Gulden, abgekürzt „fl.“)
  • Joseph Weihs und seiner Ehefrau Anna Maria ab 1817 durch Heirat („Heirath“)
  • Johann Weihs, ledigen Standes, „daselbst“ – also im Bauernhaus wohnend- durch Kauf im Jahr 1849 um 1.200 Gulden

Diese Informationen bieten einerseits einen guten Überblick und liefern genug Anhaltspunkte für eine genauere Recherche. Wie aus der Gemeindebeschreibung für Kirchberg am Wagram bei Matricula-online hervorgeht, ist bis 1784 die Pfarre Kirchberg am Wagram für Sachsendorf zuständig, danach die Pfarre Altenwörth (beide Erzdiözese Wien).

Aus den Kirchenbüchern ist Folgendes ersichtlich:

  • Mathias Weihs und Anna Maria Leuthner haben am 22.7.1759 in Sachsendorf geheiratet.
  • Franz Weihs hat laut Grundbuch im Jahr 1790 geheiratet, daher ist hier die Suche im Trauungsbuch der Pfarre Altenwörth einfach:
 Am 22.1.1790 hat Franz Weihs, Sohn des Mathias Weihs und der Anna Maria Leuthner, Elisabeth Nesterl geheiratet. Aus dem Trauungseintrag kann man auch das Geburtsjahr von Franz Weihs errechnen: Er war bei der Trauung 25 Jahre und wurde daher 1765 geboren. Tatsächlich war es am 27.5.1764, wie das Kirchenbuch Kirchberg am Wagram zeigt.
  • Joseph Weihs erwarb die Liegenschaft durch Kauf von den Eheleuten Franz und Elisabeth Weihs (die übrigens 1830 bzw 1828 verstorben sind).
 Hier wird es schwieriger, da nicht hervorgeht, in welchem Verwandtschaftsverhältnis Joseph zu Franz stand. Bruder? Sohn? Neffe?
 Da der nächste und übernächste Eintrag beide 1817 gemacht wurden, ist es offensichtlich derselbe Joseph, der 1817 mit einer Frau names Anna Maria verheiratet war – also auf die Suche im Kirchenbuch. 
 Wir haben Glück, es gibt tatsächlich eine Trauung von Joseph Weihs mit Anna Maria Entl am 11.11.1817. Aus dem Eintrag geht hervor, dass Joseph der Sohn von Franz und Elisabeth Weihs war und 1791 geboren wurde.
    Hier ist übrigens ein Anknüpfungspunkt für eine weitere Recherche: Ich muss versuchen, den Kaufvertrag zwischen Franz und Joseph zu finden. 
 (Ich frage mich zum Beispiel, woher Sohn Joseph 4.000 Gulden hatte, das war doch viel Geld zur damaligen Zeit.)
  • Der nächste und letzte Besitzer in der Reihe ist Johann Weihs, der das Grundstück ebenfalls durch Kauf erworben hat. Er war ledigen Standes.
    Es gibt im fraglichen Zeitraum 3 Taufen eines Johann Weihs. Am wahrscheinlichsten ist es, dass der Sohn von Joseph und Anna Maria Weihs, der am 15.8.1825 geboren wurde, „unser“ Johann ist. Letzte Zweifel könnten aber nur durch Einsicht in den Kaufvertrag beseitigt werden.

Mithilfe des Grundbuches konnte ich somit folgende Ahnenkette erforschen:

Ahnentafel Johann Weihs Kopie

 

Quellenangabe Familysearch – Grundbuchsauszug:
„Österreich Herrschaftsakten 1537-1920,“ images, FamilySearch (https://familysearch.org/ark:/61903/3:1:3QSQ-G9K9-BS3H?cc=1929847&wc=MYCG-BZQ%3A1062206102%2C1047408502%2C1062215703%2C1062215702%2C1062221701 : 20 May 2014), Österreich  \> Lower Austria (Niederösterreich) \> Kirchberg am Wagram \> Herrschaft Grafenegg mit Freihof Etsdorf \> image 13 of 200; Landesarchiv, Österreich (national archives, Austria).

Neue Kirchenbücher Diözese Gurk online

Für die Diözese Gurk wurden gestern bei Matricula 18 neue Pfarren online gestellt:

  • St. Andrä im Lavanttal,
  • St. Daniel im Gailtal,
  • St. Donat,
  • St. Egyden/Drau/Št. Ilj ob Dravi,
  • St. Filippen bei Reinegg,
  • St. Gandolf,
  • St. Georgen am Laengsee,
  • St. Georgen am Weinberg,
  • St. Georgen im Gailtal,
  • St. Georgen im Lavanttal,
  • St. Georgen unter Strassburg,
  • St. Gertraud im Lavanttal,
  • St. Jakob im Lesachtal,
  • St. Jakob i. Rosental/Št. Jakob v Rožu,
  • St. Jakob ob Gurk,
  • St. Johann am Pressen (Hohenpressen),
  • St. Johann i. Rosental/Št. Janž v Rožu,
  • St. Josef am Ossiacher See

Darf ich vorstellen? Josefa Korinek (geb. Emmerer)

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ANNO, Illustrierte Kronen Zeitung 6.3.1938, Seite 6

Josefa Emmerer wurde 1837 als Tochter eines Donaufischers in Niederösterreich geboren.
Nachdem sie mehrere Jahre als Dienstmagd in Traismauer und Herzogenburg gearbeitet hatte, ging sie im Jahr der Weltausstellung 1873 nach Wien. Sie fand Arbeit in einem Gasthaus und lernte dort ihren Mann kennen, mit dem ihr allerdings nur neun Jahre Ehe vergönnt waren, bis er im Jahr 1882 verstarb.
Als Josefa Korinek im Jahr 1939 gestorben ist, war sie 103 Jahre alt und die älteste Frau Wiens.
Die ganze Geschichte habe ich aus Artikeln der „Kronen Zeitung“ und des „Kleinen Volksblattes“, die beide in den Jahren 1938 und 1939 über Josefa Korinek berichtet haben.
Die Zeitungen sind online zu finden in ANNO (Austrian Newspapers Online) der Österreichischen Nationalbibliothek. Dort kann man historische Zeitungen aus den Jahren 1689-1946 mit Volltextsuche durchsuchen.
Das kleine Volksblatt schreibt anläßlich ihres 101. Geburtstags:

„Das Essen und ein tägliches Gläschen Wein schmecken ihr immer ausgezeichnet, nur das Augenlicht und das Gehör haben stark nachgelassen. Geistig ist aber das alte Mütterchen noch immer frisch und munter und gibt oft und oft verblüffende Proben ihres wunderbaren Gedächnisses.“
(Quelle: ANNO/Österreichische Nationalbibliothek; Das kleine Volksblatt am 4.3.1938  Seite 7)

ANNO ist wahre Schatzkiste für Familienforscher! Ihr könnt euch sicher vorstellen, wie ich mich gefreut habe, soviel über das Leben meiner Ururgroßtante herauszufinden!
Wie alt waren eure ältesten Vorfahren?

Arbeiten mit Kirchenbüchern, Teil 1 Einstieg

Viele Kirchenbücher österreichischer Diözesen sind online auf Matricula (www.matricula-online.eu) abrufbar.

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UPDATE JUNI 2017: Matricula hat ein neues Design mit neuen Funktionalitäten eingeführt. Details sind in meinem neuen Post Matricula im neuen Design zu finden.

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Zum Einstieg in Matricula gibt es ein sehr ausführliches und übersichtliches Handbuch, das hier (Quelle: Handbuch Matricula, http://www.matricula-online.eu) aufgerufen werden kann. Es wird darin detailliert erklärt, wie man ein Kirchenbuch findet, öffnet und sich darin zurecht findet.

Anhand eines praktischen Beispiels läßt sich der Einstieg in die Suche wohl am Besten erklären:
Nehmen wir also an, wir suchen Mathias Schindl, von dem wir wissen, dass er 1807 in Finsternau geboren wurde. So gehen wir vor:

  1. Bestimmung der zuständigen Pfarre

    Dazu gibt es zwei Möglichkeiten:
    genteam.at bietet eine umfassende Ortssuche an (Genteam ist kostenlos, es ist eine Registrierung erforderlich). Hier erfährt man die zuständige Diözese, Pfarre, eventuelle Vorpfarren und ab wann Matriken verfügbar sind.
    Oder man nutzt die in Matricula integrierte Suche in Matricula (Fernglassymbol). Hier besteht die Einschränkung, dass nur Orte gefunden werden, die in einer Gemeindebeschreibung erwähnt werden. So eine Gemeindebeschreibung gibt es oft, aber nicht immer, daher kann es sein, dass diese Suche nicht den gewünschten Erfolg bringt.
    Für Finsternau funktioniert es. Wenn man danach sucht, bekommt man ein Ergebnis (bei Klicken von „+“) erfährt man auch die zuständige Diözese und Pfarre.
    bildschirmfoto-2017-02-06-um-09-29-34               bildschirmfoto-2017-02-06-um-09-29-55
    Man kann direkt auf das Ergebnis klicken und ist schon in der richtigen Pfarre, in unserem Beispiel Brand bei Gmünd in der Diözese St. Pölten (Copyright Diözesanarchiv St.Pölten)bildschirmfoto-2017-02-06-um-09-30-38
  2. Finden des richtigen Buches
    In der Gemeindebeschreibung klickt man „Alle Verzeichniseinheiten des Bestandes“ und bekommt eine Liste der verfügbaren Bücher. Wir suchen ein Taufbuch aus dem Jahr 1807, daher öffnen wir das Buch „Taufbuch 1784-1810, Signatur 01-01“. Hier bekommt man zuerst eine Übersicht, aus der wir sehen, dass es einen Index gibt – das ist natürlich praktisch!
    Durch Drücken auf „zum Buch“ sind wir schon am Ziel – im richtigen Taufbuch:

    bildschirmfoto-2017-02-06-um-10-07-31

    Quelle: Diözese St. Pölten, Pfarre Brand/Gmünd, Taufbuch 1784-1810, Signatur 01-01, Seite 01-EInband_0001, Copyright Diözesanarchiv St.Pölten

  3. Im Index nach der Seite (Folio) im Buch suchen
    Der Index ist meist am Ende eines Taufbuches, in diesem Fall allerdings am Anfang. Der Index ist in der Seitenleiste rechts namentlich gekennzeichnet.
    Ein Index ist fast immer nach Nachnamen und dann nach Jahren sortiert (in alten Büchern sind Buchstaben wie C und K sowie B und P zusammengefasst; ich habe aber auch schon Indices gesehen, die nach Vornamen sortiert waren). In diesem Buch ist eine weitere Sortierung nach Orten vorgenommen worden.
    Wenn man nicht gleich fündig wird, empfiehlt es sich immer, den Index genau durchzuschauen. Manchmal sind am Ende des Indexes oder bei anderen Buchstaben weitere Einträge zu finden.
    Wir werden hier fündig:

    bildschirmfoto-2017-02-06-um-09-47-53

    Quelle: Diözese St.Pölten, Pfarre Brand/Gmünd, Taufbuch 1784-1810, Signatur 01-01, Seite 2-Index Taufe_0009, Copyright Diözesanarchiv St.Pölten

    Den Eintrag für Mathias Schindl finden wir also auf Folio 81.

  4. Finden der richtigen Seite
    Wenn man Glück hat, entspricht die Seitenangabe in der rechten Leiste auch der Folio-Nummer. Aus verschiedenen Gründen kommt es aber immer wieder zu Verschiebungen, dann muss man etwas suchen, bis man die richtige Seite erhält. Seite 81 ist aber ein guter Anfangspunkt, ich gehe also auf „3-Taufe 0081“. In der rechten oberen Ecke der Seite sehe ich, dass wir Glück haben. Wir sind direkt auf Folio 81 gelandet!
  5. Finden des richtigen Eintrags
    Jetzt müssen wir nurmehr die Einträge der Seite durchsehen. In diesem Fall ist es gleich der erste Eintrag :Aufmerksamen Lesern ist sicher nicht entgangen, dass Mathias im Index noch als „Schindl“ aufgeführt war und im tatsächlichen Eintrag plötzlich „Schönl“ heißt – zu solchen Namensänderungen habe ich schon einen Post geschrieben.

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    Quelle: Diözese St.Pölten, Pfarre Brand/Gmünd, Taufbuch 1784-1810, Signatur 01-01, Seite 03-Taufe_0081, Folio 81, Copyright Diözesanarchiv St.Pölten

Schlussendlich können wir also notieren: Mathias Schindl wurde am 5.2.1807 in Finsternau Nr. 12 geboren.

Auf alle Informationen, die ich aus einem Taufbucheintrag erhalten kann, werde ich in einem gesonderten Post eingehen.

Ein Tipp noch: Über den Befehl „Direkter Link zur Seite“ in der rechten oberen Ecke des Matricula Viewers bekommt man einen permalink, den man sich in seinem Ahnenforschungsprogramm speichern kann. So findet man die Seite schnell wieder. Es empfiehlt sich aber trotzdem, das Buch und die Seite ebenfalls zu notieren, falls der link nicht mehr funktioniert.

Kennt ihr die Topothek?

Die Topothek ist ein tolles Projekt, bei dem historische Fotos im Privatbesitz der Öffentlichkeit online in lokal (meist von Gemeinden) organisierten Topotheken gratis zugänglich gemacht werden.
Die Fotos werden beschlagwortet, sodass man nach Vorfahren namentlich suchen kann. Die meisten Topotheken sind derzeit aus Niederösterreich, aber es mittlerweile sind sogar einige internationale Topotheken online gegangen.
Vor Kurzem habe ich hier gelesen, dass die hundertste Topothek online gegangen ist. Und das ist eigentlich auch der Grund, warum ich im Moment noch mehr von der Topothek begeistert bin: Als ich gelesen habe, dass es sich hierbei um die Topothek von Großengersdorf handelt, ist bei mir sofort die Hoffnung aufgeflackert, dass ich Fotos von einer entfernteren Verwandtschaftslinie dort finden könnte. Und ich wurde nicht enttäuscht – im Gegenteil, es war eine Schatzkiste voller alter Fotos. (Wie sehr ich alte Fotos mag, habe ich ja in einem früheren Post erwähnt! 😊) Familenfotos, Gruppenfotos, Portraits der entfernten Verwandten, alles da und meist sogar mit Geburtsjahr versehen! Vielen Dank an alle, die das ermöglicht haben!
Allen Familenforschern kann ich einen Besuch in der Topothek jedenfalls sehr empfehlen.

Kirchenbuch-Latein, Lektion eins – Einführung

Kirchenbücher waren früher oft in Latein geschrieben. Das mag für einige abschreckend klingen, ist aber tatsächlich auch für Nicht-Lateiner kein großes Hindernis, wenn man ein paar Grundvokabeln kennt.
In der Folge möchte ich euch an einem Beispiel einige solcher Vokabeln erläutern.
Johann Adam Übelbacher wurde am 10.6.1738 in Kilb geboren. Sein Taufeintrag im Kirchenbuch der Pfarre Kilb (hier der link) sieht so aus:

Quelle: Diözese St.Pölten, Pfarre Kilb, Taufbuch 1722-1744, Signatur 01/02, folio 63, Copyright Diözesanarchiv St.Pölten

Hier steht (Abkürzungen oder Variationen in der Schreibweise schreibe ich hier richtig/voll aus, um die Nachvollziehbarkeit zu erleichtern.):

Baptisatus est Johannes Adamus filius legitimes des Simon Übelbacher et Sophia uxoris zu Kylb. Levante Andrea Schwager von Heinrichsberg

Für Nicht-Lateiner hier ein paar Grundvokabeln zum besseren Verständnis:

  • Baptisatus/Baptizatus est (bei Frauen/Mädchen baptisata est) heißt nichts anderes als „getauft wurde“.
  • Filius legitimus: ehelicher Sohn; für Frauen/Mädchen wäre dies filia legitima – eheliche Tochter
 Nicht schwer zu erraten in diesem Zusammenhang: Filius illegitimus bzw. filia illegitima ist dann natürlich der uneheliche Sohn bzw. die uneheliche Tochter
  • Uxor ist die Ehefrau (uxoris der Genitiv dazu)
  • Levante: aus der Taufe hebend, unter der Patenschaft von (levans ist der Taufpate/die Taufpatin)

Hier wurde also Johann Adam, ehelicher Sohn des Simon Übelbacher und seiner Ehefrau Sophia in Kilb geboren. Seine Taufpatin Andrea Schwager war aus Heinrichsberg.

Gerade bei Orten ist es manchmal schwierig, den Namen zu entziffern. Auch hier konnte ich den Ort vorerst nicht lesen. Ein guter Tipp in diesem Zusammenhang ist, in Matricula die Beschreibung der Gemeinde zu lesen, die oft bei Pfarren enthalten ist, da die Taufpaten ja oft Nachbarn oder nahe wohnende Freunde der Eltern waren.

Gemeindebeschreibung Kilb:

Oft findet man hier einen Ort, der zum Schriftbild im Taufeintrag passt.
Ein hervorragendes Ortsverzeichnis, das mir auch schon oft weitergeholfen hat, findet sich bei Genteam: Ortsverzeichnis in Genteam. Hier ist nur eine (kostenlose) Registrierung erforderlich.

Zurück zu unserem Beispiel: Johann Adam starb nur wenige Tage später am 22.06.1738. Sein Sterbeeintrag findet sich ebenfalls in der Pfarre Kilb (unter diesem link):

Quelle: Diözese St. Pölten, Pfarre Kilo, Sterbebuch 1722-1744, Signatur 03/02, folio 32, Copyright Diözesanarchiv St.Pölten

Der Sterbeeintrag lautet:

„Sepultus est Johannes Adamus, filius Simonis Übelbacher et Sophia uxoris zu Kylb. Aetatis 13 Tage“

Hier wieder das relavante Vokabular dazu:

  • Sepultus est / Sepulta est: gestorben ist
  • Aetatis: des Alters

Johann Adam Übelbacher starb also im Alter von 13 Tagen. In späteren Sterbebüchern findet man auch die Todesursache sowie den Friedhof, wo die verstorbene Person begraben wurde.

Ein sehr ausführliches Familienforschungs-Glossar habe ich auf der Homepage des Oberösterreichischen Landesarchivs gefunden.

Lasst euch übrigens von meinem hier ausgewählten Beispiel nicht abschrecken, Kirchenbücher sind nicht immer in Latein verfasst. Vor allem die späteren, wo man ja mit der Forschung beginnt, sind in Deutsch.

Vorlage Forschungsbericht Kirchenbuch Index

Ich muss zugeben, meine Forschung ist von Anfang an eher unorganisiert gewesen, aber die Fülle an erhältlichen Informationen hat mich wohl überwältigt.

Im Internet habe ich inzwischen einige Vorlagen und Formulare für eine bessere Organisation der Familienforschung entdeckt. Leider ist keine so, wie ich mir das wünsche. Also habe ich mich selbst an der Erstellung einer Vorlage versucht.

2017-01_auszug_forschungsbericht_kirchenbuch_index

Das Ergebnis könnt ihr hier als PDF herunterladen. Dieser Bericht zielt in erster Linie darauf ab, Einträge zu einem bestimmten Namen in einem bestimmten Kirchenbuch zu erfassen. Er enthält zwei Seiten Formular sowie Erläuterungen, die man natürlich nicht jedes Mal mitausdrucken muss, die aber im Umgang mit dem Formular helfen sollen.

Ich habe mir dieses Formular gebastelt, weil man bei der Forschung ja meist ein Kirchenbuch nach einem bestimmten Nachnamen durchsucht. Dabei habe ich immer den Index (so es einen gibt) hergenommen und die Vornamen und Folionummern abgeschrieben. Einige konnte ich in meinem Stammbaum zuordnen, andere passten gar nicht und bei manchen Eintragungen im Index habe ich zumindest den Verdacht gehabt, dass sie irgendwie zu meiner Forschung passen.

Wenn ich Monate später dann bei dieser Linie des Stammbaums weitergemacht habe, waren diese Aufzeichnungen oft genug unauffindbar und ich habe wieder angefangen… (Das kann natürlich auch gute Seiten haben, denn oft entdeckt man beim zweiten Mal wichtige Kleinigkeiten oder Einträge, die man übersehen hat – zumindest ist das meine Rechtfertigung für mein Chaos!)

Jetzt habe ich diese Vorlage, die ich sorgfältig ablegen werde – das ist mein guter Vorsatz für 2017! Ich hoffe, ihr könnt sie auch brauchen! Habt ihr Ideen für weitere Vorlagen, die ein organisiertes Forschen erleichtern könnten?

Namen und Schreibweisen im Wandel der Zeit


Eine Herausforderung bei der Ahnenforschung ist, dass sich die Schreibweise von Nachnamen im Lauf der Zeit ändern kann. Gründe hierfür sind vielfältig. Es kam unter Anderem auf den Pfarrer an, der den Eintrag im Kirchenbuch verfasste. Durch einen Pfarrerwechsel kann schnell aus einem C ein K am Namensanfang werden. Auch ein B wird leicht zu einem P umgewandelt. In vielen Indices, vor allem in älteren Kirchenbüchern, sind diese Buchstabenpaare gemeinsam aufgelistet. In späteren Kirchenbüchern sind allerdings meistens Indices mit vorgedruckten Seiten nach dem heutigen Alphabet enthalten. Hier ist empfehlenswert, im Index auch bei ähnlich klingenden Buchstaben auf die Suche nach Vorfahren zu gehen. Nicht selten haben sogar Geschwister andere Schreibweisen bei ihren Nachnamen.
Bei der Suche nach weiteren Personen einer Familie muss man unter Umständen auch kreativer denken. Es wurde zum Beispiel „Artner“ zu „Ortner“ oder sogar „Ubelbacher“ zu „Ypelbacher“.
Mir hilft dabei immer, den Namen auszusprechen, am besten im vorherrschenden Dialekt der Gegend. Dann kommt man schnell auf neue Ideen und andere Schreibweisen.
Die Änderungen der Schreibweisen beschränken sich natürlich nicht auf Anfangsbuchstaben, aber wenn man im Index schon einmal die Suche auf den richtigen Anfangsbuchstaben eingrenzen kann, ist das quasi schon „die halbe Miete“, da man beim Durchsuchen der richtigen Indexseite schneller den gesuchten Namen in unterschiedlichen Variationen erkennt. Ob ein Name mit doppeltem „m“ oder einfachen „m“ geschrieben wird oder ein „d“ oder „th“ statt einem „t“ enthält – man wird den gesuchten Namen beim Lesen erkennen.
So kann aus Schindl ein „Schiendl“ oder sogar „Schönl“ werden. Ob Petz oder Pötz oder Putz, man erkennt die Ähnlichkeit und kann die Spuren weiterverfolgen.
In online Datenbanken sind teilweise Algorithmen bei der Suche hinterlegt, die ähnliche Namen in die Ergebnisse der Suche inkludieren. Allerdings darf man sich hier nicht auf Vollständigkeit verlassen, sondern die ähnlichen Schreibweisen nur als Anregung verwenden, um weitere Schreibweisen zu suchen.
Habt ihr auch Erfahrungen mit überraschenden Schreibweisen gemacht? Ich freue mich über einen Kommentar!