Familie Jäger aus Seebarn (Herrschaftliche Inventur- und Abhandlungsprotokolle)

Familie Jäger aus Seebarn (Herrschaftliche Inventur- und Abhandlungsprotokolle)

Der fünffache Urgroßvaters meines Mannes war Joseph Jäger. Geboren wurde er in „Tisen in Tyrole“ (vermutlich Tisens bei Meran in Südtirol) als Sohn von Valentin Jäger. Einen Großteil seines Lebens verbrachte er jedoch weit weg von seinem Geburtsort, in Seebarn bei Korneuburg in Niederösterreich.

Seebarn bei Korneuburg

Das Dorf Seebarn läßt auch heute noch erahnen, wie es zu Zeiten von Joseph Jäger ausgesehen hat. Auf der einen Seite der Hauptstraße liegt das von einer Feldsteinmauer umfasste Schloss und der Schlossgarten.

Bilder: Ansicht des Schlosses Seebarn, Druckgrafik 1820, Österreichische Nationalbibliothek via www.kultur-pool.at, CC BY-NC-SA 3.0 und eigenes Foto

Das Schloss Seebarn kam über die Gräfin Maria Charlotte (Karoline) Wilczek, eine geborene Gräfin von St. Hilaire und Ehegattin von Heinrich Wilhelm Grafen von Wilczek, in den Besitz der Familie Wilczek. Nach dem Tod des Grafen im Jahr 1739 wurde es an seinen Sohn, Reichsgraf Josef Maria Kaspar Wilczek, übergeben.
Er und sein Vater vergrößerten das Schloss. [1] Der Osttakt, die zweigeschoßige Schlosskapelle und ein Wirtschaftstrakt wurden in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts erbaut.[2]

Gegenüber vom Schloss, auf der anderen Seite der Hauptstraße findet sich eine kleine Kapelle (die 1874 geweiht wurde) und mehrere Häuser, die um einen Obstgarten herum gebaut sind. Früher gab es einen Teich.

Familie Jäger

In Seebarn heiratete Joseph Jäger am 22.10.1769 Monica Pürkl (manchmal auch Pirkl, bei der Hochzeit verwitwete Fritsch). Im Heiratseintrag ist sein Beruf als  Bedienter beim Grafen von Willzeck“ angegeben.  Er dürfte also im Schloss Seebarn gearbeitet haben:1769 Jäger Pürkl Hochzeit

Quelle: Pfarre Harmannsdorf, Erzdiözese Wien, Tauf- Trauungs- und Sterbebuch Signatur 01,2,3-02, 1716-1784, fol 427, Seite 05-Trauung_0156 über Matricula Online

(Transkription und Übersetzung: Copulatus est Josephus Jäger Servus apud Comiti Wilzek, Valentini Jäger, vic. in Tisen in Tyrole, cum Monica Fritschin Vidua ex Seebarn; Getraut werden Joseph Jäger, Diener beim Grafen Wilzek, des Valentin Jäger, Nachbar in Tisen in Tirol, mit Monica Fritsch, Witwe aus Seebarn)

Das Ehepaar hatte drei gemeinsame Kinder, von denen allerdings nur Barbara Jäger das Kindesalter überlebte. Am 11.3.1777 verstarb Monica Jäger. Ihren Sterbeeintrag konnte ich in den Kirchenbüchern nicht finden, allerdings wurde ich bei den Herrschaftsakten fündig. Aus dem Inventur- und Abhandlungsprotokoll anläßlich ihres Todes gehen interessante Informationen über das Leben der Familie Jäger in Seebarn hervor.

Joseph Jäger hatte seinen Dienst im Schloss offensichtlich aufgegeben und gemeinsam mit seiner Frau ein Wirtshaus in Seebarn gepachtet. Monica Jäger wurde im Inventarium als „geweste hiesig Herrschaft. Bestand Wirtin zu Seebarn“bezeichnet:

1777 Inventarium Monica Jäger 1

Quelle: Inventur u. Abhandlungsprotokoll d. Hft. Kreuzenstein u. Leobendorf, 1771 – 1793, Signatur KG Stockerau 020/096, fol 297ff via FamilySearch.org

(Zur Einsicht der Akten ist eine kostenloste Anmeldung bei FamilySearch erforderlich.)

Die Auflistung des Vermögens enthielt Wein, Fleisch, Küchengeschirr, Mehl und Getreide und viele andere Positionen, die den Wirtshausbetrieb betrafen, sowie „Viech“ (eine Kuh, Schweine, Hühner und Enten – „Anten“). Vom Vermögen (141 Gulden und 20 Kreuzer) wurden die offenen Schulden abgezogen. Diese betrafen den Fleischhauer oder den Dienst Menschen“ und andere Handwerker. Daraufhin verblieben 16 Gulden und 58 Kreuzer.

Im Rahmen der Anhandlung wurden hierauf die Erben festgestellt:

1777 Inventarium Monica Jäger Erben

Quelle: Inventur u. Abhandlungsprotokoll d. Hft. Kreuzenstein u. Leobendorf, 1771 – 1793, Signatur KG Stockerau 020/096 fol 297ff, via FamilySearch.org

(Transkription: Erben
      –  der hinterbliebene Wittiber Joseph Jäger von der Verstorbenen 
      – die aus erster Ehe ehelichen Kinder
           Anton Emtinger zu Wien ein Bedienter (Anm.: in Wien als Bediensteter beschäftigt)
           Peter Paul, unwissend (Anm.: weitere Details unbekannt)
           Magdalena bey Hauß (Anm.: sie lebte bei ihrer Mutter und ihrem Stiefvater im Haus)
     – aus dritter Ehe
           Barbara Jägerin 5 Jahr alt)

Aus dem Heiratseintrag im Kirchenbuch ging bereits hervor, dass Monica Pürkl eine verwitwete Frau Fritsch war. Die Liste der Erben zeigt, dass sie zuvor auch schon eine Ehe geschlossen hatte, mit Herrn Emtinger (Vorname unbekannt). Aus dieser Ehe hatte sie drei Kinder in die Ehe mitgebracht. Mit Herrn Fritsch (Vorname ebenfalls unbekannt) hatte sie offensichtlich keine (überlebenden) Kinder. In den Kirchenbüchern der für Seebarn zuständigen Pfarre Harmansdorf konnte ich übrigens beide Vorehen der Monica Jäger nicht finden. Sie stammte ursrünglich aus „Grupaih, Mähren“, daher ist hier Weitersuchen angesagt. Laut Ortsverzeichnis auf Genteam gibt es mehrere Orte, die hier in Frage kommen könnten, zum Beispiel Ober- bzw Unter Krupa (heute Krupa Horni bzw Dolni) oder Krupei. Alle möglichen Orte liegen jedoch in Böhmen, nicht im Mähren.

Aus der Abhandlung der Verlassenschaft geht weiters hervor, dass Monica laut Aussage von Theresia Pirkl (ihre Schwester?) bereits zu Lebzeiten verkündet hatte, dass ihre Tochter Magdalena bestimmten Hausrat erhalten sollte (zum Beispiel eine „Tuchet mit blauem Überzug“, also eine Decke). Der Rest verblieb dem Ehemann Joseph. Die anderen Kinder  sollten nichts erhalten, insbesondere in Anbetracht der Tatsache, dass die Mutter über kein wesentliches Vermögen verfügt hat. Dem Vater wurde außerdem „die kristliche Erziehung seines leiblichen, aus dieser Ehe erzeugten Kindes beauftragt, dazu er sich auch willig erklärt hat.“

Nach dem Tod seiner ersten Ehefrau heiratete Joseph Jäger nochmals und am 21.7.1779 kam Sohn Johann auf die Welt. Seine Mutter war Josepha (ein Mädchenname findet sich in keinem Eintrag, den Hochzeitseintrag konnte ich bisher nicht finden). Mit Josepha hatte Joseph im Zeitraum 1779 – 1784 fünf Kinder. Nur Sohn Anton (geborgen am 17.1.1783) überlebte die Kindheit. Josephs zweite Frau Josepha verstarb am 11.3.1785 an „Scharbock“. Diese Krankheit ist auch als Skorbut bekannt, eine Vitaminmangelkrankheit, die bei anhaltendem Fehlen von Vitamin C in der Nahrung bei Menschen nach zwei bis vier Monaten auftritt.

Ihre Verlassenschaftsabhandlung zeigt, dass Joseph und Josepha den Wirtshausbetrieb offensichtlich fortgesetzt haben. Neu zum ehelichen Vermögen sind allerdings mehrere Äcker in der Gegend hinzugekommen. Vermutlich hat diese Grundstücke Josepha mit in die Ehe gebracht.

Die Hälfte des 400 Gulden ausmachenden Vermögens stand dem Joseph Jäger zu. Nach Abzug der Schulden wäre eigentlich Sohn Anton der Alleinerbe seiner Mutter gewesen. Es wurde jedoch festgestellt, dass bei der Hochzeit vereinbart worden war, dass Barbara, Josephs Tochter aus erster Ehe, die Hälfte des Erbes erhalten sollte. Beiden Kindern wurden also 76 Gulden und 47 Kreuzer zugesprochen.

Am 6.9.1787 heiratete Joseph ein drittes Mal. Seine Gattin Rosalia Zass/Zöß war die Pfarrersköchin aus dem benachbarten Manhartsbrunn. Sie war 20 Jahre jünger als ihr mittlerweile 45-jähriger Ehemann.

1784 Zapp Rosalia Hochzeit

Quelle: Pfarre Harmannsdorf, Erzdiözese Wien, Trauungsbuch Sinatur 02-03, 1784-1841, fol 239, Seite 02-Trauung_0104 über Matricula Online

Tragischerweise verstarb auch Rosalia nicht einmal fünf Jahre nach der Hochzeit kurz nach der Geburt (und dem Tod) des zweiten Kindes im Jahr 1790 an Misere (Erbrechen des Darminhalts aufgrund zB eines Darmverschlusses).

Ihre Verlassenschaftsabhandlung gibt ebenfalls wertvolle Informationen:

1790 Jäger Rosalia Inventarium 1

Quelle: Inventur u. Abhandlungsprotokoll d. Hft. Kreuzenstein u. Leobendorf, 1771 – 1793, Signatur KG Stockerau 020/096 fol 730ff, via FamilySearch.org

Jospeh und Rosalia führten das Wirtshaus offensichtlich nicht weiter, dafür ist beim Vermögen eine neue Position dazugekommen: „das neu gebaute Kleinhäusl neben der Herrschaft Breiten und Johann Döltl gelegen samt dazu gehörigem Gartl“. Die Eheleute hatten gemeinsam ein Haus gebaut, das mit 150 Gulden bewertet wurde. Die weiterhin vorhandenen Ackergrundstücke sowie Tiere (Kuh, Schafe und Hühner) passten zum Leben als Kleinhäusler. In Summe betrug das eheliche Vermögen beachtliche 459 Gulden und 49 Kreuzer.

Das Inventarium zeigt aber auch, dass die Kosten für die Errichtung des Hauses noch nicht abbezahlt waren. So wurden an Schulden Kosten für Steine, oder für den Tischler abgezogen. Außerdem dürfte das Ehepaar nicht nur den Grund für das Haus vom Grafen Wilczek gekauft (noch nicht gänzlich bezahlt) haben, sondern auch Geld von ihm geborgt haben, da 38 Gulden für die Position „Herrn Grafen Wilczek an Kapital“ als offene Schulden aufgelistet waren. Auch die Beträge, die Barbara und Anton Jäger von der Verlassenschaft von Josepha Jäger zustanden, waren noch nicht beglichen und wurden als Schulden erfasst.

1790 Jäger Rosalia Inventarium Schulden

Quelle: Inventur u. Abhandlungsprotokoll d. Hft. Kreuzenstein u. Leobendorf, 1771 – 1793, Signatur KG Stockerau 020/096 fol 730ff, via FamilySearch.org 

Die Erbschaft fiel zu zwei Dritteln an Joseph Jäger sowie zu einem Drittel an das einzig überlebende Kind der Ehe, Josepha.

Joseph Jäger selbst verstarb mit 65 Jahren, am 23.3.1805 in Seebarn „in seiner Wohnung Nr. 23“ an einem Lungengeschwür. Er lebte zu dieser Zeit bei seiner Tochter Barbara und deren Mann, (Johann) Paul Stich, denen er im Jahr 1792 sein Kleinhäusel übertragen hatte (der Kaufvertrag findet sich übrigens ebenfalls hier auf FamilySearch). Im Kaufkontrakt wurde Joseph Jäger „lebenslange Herberg“ zugesichert.

Aus seiner Verlassenschaftsabhandlung geht hervor, dass Joseph Jäger ein Testament gemacht hatte und seinen Besitz, insbesondere die Äcker, auf seine drei Kinder Barbara, Anton und Josepha aufgeteilt hat.

Praktische Tipps zum Auffinden von Herrschaftsakten

Die Geschichte der Familie Jäger zeigt, dass Herrschaftsakten eine wertvolle Quelle darstellen. Durch sie konnte ich viele Details über das Leben der Familie Jäger im 18. Jahrhundert in Erfahrung bringen, die ich über Kirchenbücher alleine nie gefunden hätte.

Teilweise kann es schwierig werden, die richtige Herrschaft herauszufinden. Manchmal findet sich dazu eine Anmerkung in Kirchenbucheinträgen („Untertan der Herrschaft…“). Eine weitere Schwierigkeit besteht darin festzustellen, an welches Bezirks- oder Kreisgericht die Herrschaftsakten übergeben wurden. Ich empfehle hier vorerst eine Suche im Findbuch des Landesarchivs Niederösterreich nach dem gesuchten Ort (Klick auf das Fernglas in der Menüleiste). Die Treffer zeigen die Sammlungen, in welchen Akten enthalten sind. Teilweise sind die Akten bereits im Findbuch online einsehbar. Wenn dies nicht der Fall ist, kann man im Katalog von Familysearch in der Sammlung der österreichischen Herrschaftsakten nach dem jeweiligen Bestand zu suchen und hat möglicherweise Glück und kann online in die Bücher Einsicht nehmen.

Im September/Oktober 1811  war übrigens der Dichter Joseph Freiherr von Eichendorff im Schloss Seebarn zu Gast. So wurde Seebarn auch einer der Schauplätze in seiner 1826 veröffentlichten Novelle „Aus dem Leben eines Taugenichts“.[3] Vielleicht konnten Joseph Jägers Kinder einen Blick auf den berühmten Gast erhaschen?

Quellen

[1] www.seebarn.at
[2] DEHIO Niederösterreich Nördlich der Donau, 1990, Eintrag Seebarn, Seite 1074
[3] Historische Gärten Österreichs: Niederösterreich, Burgenland von Eva Berger, über Google Books

Wolfgang Bayer – Schullehrer in Böhmen im 18. Jahrhundert

Heute möchte ich einen Ausflug ins Habsburger-Kronland Böhmen machen, um den Urgroßvater meines angeheirateten Urgroßonkels vorzustellen: Wolfgang Bayer.

Wolfgang Bayer wurde am 12.5.1736 in Neumark (Vseruby) in Böhmen geboren. Seine Eltern waren Sigismund Bayer und Eva Rosina, geborene Kauerl. Sigismund Bayer war Kantor (Vorsänger oder Chorleiter im Gottesdienst). Wolfgang Bayer war das fünfte Kind der Familie, er hatte vier Schwestern und vier Brüder.

1024px Liebscher Vseruby

Bild: „Ansicht von Všeruby“ von Karel Liebscher (1851-1906), Public Domain über Wikimedia Commons

Neumark/Všeruby u Kdyne /Wscherau

Neumark ist ein Ort in Tschechien, etwa einen Kilometer von der Grenze zu Bayern entfernt. Weiterlesen

Wo wohnten meine Vorfahren? – Die Geschichte der Familie Prankl geht weiter (zurück)

Vielleicht könnt ihr euch noch an meinen Vorfahren Joseph Prankl, den Hammerschmied in Gaming erinnern? Bis vor Kurzem war er eine Sackgasse in meiner Ahnenforschung. Durch einen Blick ins Grundbuch von Gaming konnte ich jedoch mehrere bisher fehlende Generationen in diesem Zweig meines Stammbaumes ergänzen.

Nagelschmied

Bild: „Clauicularius. Der Nagler.“  von Amman, Jost (Holzschneider) aus dem Buch Ständebuch & Handwerk & Nagelschmied & Schlosser & Schmied, Public Domain via Wikimedia Commons/Deutsche Fotothek

Joseph Prankl erwarb im Jahr 1794 das Haus „Siebente Hofstadt in der Au“ in Gaming im Mostviertel Niederösterreichs. Das war auch aus dem Grundbuch ersichtlich, in welches ich vor ein paar Wochen im Niederösterreichischen Landesarchiv in Bad Pirawarth Einsicht nehmen konnte.

„1794 Joseph Prankl, Solus“ war im Grundbuchblatt als Besitzer eingetragen. In der darauffolgenden Zeile war Folgendes vermerkt: „1794 Joseph et Maria uxor ab anno 1794, in Gewährbuch fol 43 pro 1530 fl.“ Joseph Prankl hatte also im Jahr 1794 nicht nur das Grundstück erworben, sondern auch kurz darauf geheiratet. Das Jahr war der entscheidende Hinweis, den Trauungseintrag von Joseph Prankl (Joseph Bränkl) zu finden: Weiterlesen

Die Schlacht bei Dürnstein – Kriegschrecken für meine Vorfahren

Am 11.11.1805 fand in Loiben und Dürnstein in der Wachau eine große Schlacht der Napoleonischen Kriege statt. Und meine Ur-Ur-Ur-Urgroßtante Barbara Artner wohnte damals in Dürnstein („Thirrnstein“). Grund genug, um dieses Kapitel der Geschichte und die schlimmen Auswirkungen für die Bevölkerung von Loiben und Dürnstein genauer zu erforschen. Weiterlesen

Paul Wiesinger, befugter Musikus und Hundezüchter in Linz

Linzer Becken

„Das Becken von Linz mit der Landeshauptstadt“ von Eduard Zetsche (1844-1927) aus dem Buch „Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild“, Band Oberösterreich und Salzburg, Wien 1886, Seite 17

Mein Ur-Ur-Urgroßonkel 4. Grades Paul Wiesinger wurde am 28.6.1832 (um 1/4 über 4 Uhr) in Linz, in der Pfarre St. Mathias, als Sohn der ledigen Hausbesitzerstochter Josepha Wiesinger geboren.
Im Taufeintrag ist kein Vater angeführt, interessant ist aber der Taufpate, Philipp Klimitsch, „Braumeister in Auhof 1“, zu dem ich eigentlich sonst keine Verbindung finden konnte – ist der Taufpater vielleicht ein Hinweis auf den Vater?
Auhof ist übrigens ein Schloss in Linz, das sich im Besitz der Starhemberger befand. Das Brauhaus dürfte im Jahr 1832 verpachtet gewesen sein, es wurde im Jahr 1900 abgerissen (Quelle: Wikipedia, Eintrag Schloß Aufhof (Linz)) Weiterlesen

Grundbuch und Familienforschung – Familie Weihs in Sachsendorf

Eintragungen in Grundbüchern geben einen guten Einblick in die Familiengeschichte, darum will ich heute darüber berichten.

Einführung des Grundbuches in Österreich und Allgemeines

Maria Theresia ließ in Österreich ab 1770 ein erstes Häuserverzeichnis anlegen (siehe hier), den Vorreiter des heutigen Grundbuches. Grundbücher enthalten eine Vielzahl an Informationen über Grundstücke und deren Besitzer. Heute beschränke ich mich allerdings auf die Grundstücksbesitzer.

Dokumente bei Familysearch

Bei Familysearch sind viele österreichische Herrschaftsakten online einsehbar (kostenlose Registrierung erforderlich). Man sieht die verfügbaren Bücher, indem man im Menü auf „Suche“ und „Katalog“ auswählt und bei Ort „Austria“ eingibt.
In der Auswahlmaske öffnet man die „Court Records“ und ist schon am Ziel:
Austria, seigniorial records = Österreich, Herrschaftsakten, 1537-1920

Familie Weihs in Sachsendorf

Am Beispiel der Familie Weihs aus Sachsendorf (Bezirk Kirchberg am Wagram, Niederösterreich) möchte ich nun die Hilfe, die ein Grundbuchblatt bei der Familienforschung bieten kann, erläutern.

Mathias Weihs war mein Ur-Ur-Ur-Ur-Urgroßvater. Ich weiß bisher, dass er im Jahr 1724 in Kollersdorf bei Sachsendorf geboren wurde und mit Anna Maria Leuthner, verwittwete Kienast, verheiratet war. Viel mehr habe ich zu seiner Familie (bis auf meinen direkten Vorfahren, seinen Sohn Paul) bisher nicht erforscht.

Titel Grundbuch Sachsensdorf, NIederösterreich

Titel Grundbuch Sachsensdorf, Niederösterreich, Quellenangabe siehe Ende des Posts

Durch das „Haus-Überland-Grundbuch Amt Sachsendorf“, welches bei Familysearch online verfügbar ist (Quellenangabe siehe Ende des Posts), habe ich herausgefunden, dass Mathias Weihs mehrere Grundstücke in Sachsendorf besessen hat.
Eines davon war dieses:

Titel des Grundbucheintrages, Quellenangabe siehe Ende des Posts

Titel des Grundbucheintrages, Quellenangabe siehe Ende des Posts

Transkription: Von einem Bauernhaus, dareingehören 3 1/2 Joch Acker

Aus dem Grundbucheintrag geht folgende Besitzerkette hervor:

Besitzerkette Eintrag Grundbuch Sachsendorf, Quellenangabe siehe Ende des Posts

Besitzerkette Eintrag Grundbuch Sachsendorf, Quellenangabe siehe Ende des Posts

Folgende Personen waren also Besitzer des Bauernhauses:

  • Mathias Weihs und seine Ehefrau Anna Maria („ux.“ ist kurz für uxoris, Ehefrau) von 1759 an
  • Franz Weihs zuerst ledigen Standes ab 1788 und dann mit seiner Ehefrau Elisabeth ab 1790 (aus Sachsendorf, frühere Schreibweise Saxendorf)
  • Joseph Weihs, ledigen Standes ab 1817 durch Kauf (für 4000 Gulden, abgekürzt „fl.“)
  • Joseph Weihs und seiner Ehefrau Anna Maria ab 1817 durch Heirat („Heirath“)
  • Johann Weihs, ledigen Standes, „daselbst“ – also im Bauernhaus wohnend- durch Kauf im Jahr 1849 um 1.200 Gulden

Diese Informationen bieten einerseits einen guten Überblick und liefern genug Anhaltspunkte für eine genauere Recherche. Wie aus der Gemeindebeschreibung für Kirchberg am Wagram bei Matricula-online hervorgeht, ist bis 1784 die Pfarre Kirchberg am Wagram für Sachsendorf zuständig, danach die Pfarre Altenwörth (beide Erzdiözese Wien).

Aus den Kirchenbüchern ist Folgendes ersichtlich:

  • Mathias Weihs und Anna Maria Leuthner haben am 22.7.1759 in Sachsendorf geheiratet.
  • Franz Weihs hat laut Grundbuch im Jahr 1790 geheiratet, daher ist hier die Suche im Trauungsbuch der Pfarre Altenwörth einfach:
 Am 22.1.1790 hat Franz Weihs, Sohn des Mathias Weihs und der Anna Maria Leuthner, Elisabeth Nesterl geheiratet. Aus dem Trauungseintrag kann man auch das Geburtsjahr von Franz Weihs errechnen: Er war bei der Trauung 25 Jahre und wurde daher 1765 geboren. Tatsächlich war es am 27.5.1764, wie das Kirchenbuch Kirchberg am Wagram zeigt.
  • Joseph Weihs erwarb die Liegenschaft durch Kauf von den Eheleuten Franz und Elisabeth Weihs (die übrigens 1830 bzw 1828 verstorben sind).
 Hier wird es schwieriger, da nicht hervorgeht, in welchem Verwandtschaftsverhältnis Joseph zu Franz stand. Bruder? Sohn? Neffe?
 Da der nächste und übernächste Eintrag beide 1817 gemacht wurden, ist es offensichtlich derselbe Joseph, der 1817 mit einer Frau names Anna Maria verheiratet war – also auf die Suche im Kirchenbuch. 
 Wir haben Glück, es gibt tatsächlich eine Trauung von Joseph Weihs mit Anna Maria Entl am 11.11.1817. Aus dem Eintrag geht hervor, dass Joseph der Sohn von Franz und Elisabeth Weihs war und 1791 geboren wurde.
    Hier ist übrigens ein Anknüpfungspunkt für eine weitere Recherche: Ich muss versuchen, den Kaufvertrag zwischen Franz und Joseph zu finden. 
 (Ich frage mich zum Beispiel, woher Sohn Joseph 4.000 Gulden hatte, das war doch viel Geld zur damaligen Zeit.)
  • Der nächste und letzte Besitzer in der Reihe ist Johann Weihs, der das Grundstück ebenfalls durch Kauf erworben hat. Er war ledigen Standes.
    Es gibt im fraglichen Zeitraum 3 Taufen eines Johann Weihs. Am wahrscheinlichsten ist es, dass der Sohn von Joseph und Anna Maria Weihs, der am 15.8.1825 geboren wurde, „unser“ Johann ist. Letzte Zweifel könnten aber nur durch Einsicht in den Kaufvertrag beseitigt werden.

Mithilfe des Grundbuches konnte ich somit folgende Ahnenkette erforschen:

Ahnentafel Johann Weihs Kopie

 

Quellenangabe Familysearch – Grundbuchsauszug:
„Österreich Herrschaftsakten 1537-1920,“ images, FamilySearch (https://familysearch.org/ark:/61903/3:1:3QSQ-G9K9-BS3H?cc=1929847&wc=MYCG-BZQ%3A1062206102%2C1047408502%2C1062215703%2C1062215702%2C1062221701 : 20 May 2014), Österreich  \> Lower Austria (Niederösterreich) \> Kirchberg am Wagram \> Herrschaft Grafenegg mit Freihof Etsdorf \> image 13 of 200; Landesarchiv, Österreich (national archives, Austria).

Michael Stangerer, Schiffsreiter

Heute möchte ich Euch meinen Ur-Ur-Ur-Ur-Ur-Urgroßvater, Michael Stangerer, vorstellen. Er lebte im 18.Jahrhundert und hatte den Beruf eines Schiffsreiters.
Bis ich diesen Post geschrieben habe, konnte ich mir darunter eigentlich nichts vorstellen, aber jetzt weiß ich, dass ein Schiffsreiter ein anstrengendes Leben führte.

Michael Stangerer wurde am 7.5.1712 unter den Taufnamen Johann als Sohn von Georg und Eva (Mädchenname unbekannt) Stangerer geboren, die beide in Perg, Oberösterreich, „in den Judenleüthen“ gewohnt haben.

Die Adresse „In den Judenleuthen“ kommt übrigens vermutlich vom Begriff „jugent“, der Jungwald bedeutet – es ist also ein „Abhang beim Jungwald“.

Am 22.9.1740 heiratete er mit 27 Jahren Rosalia Rüttner, 45jährige Witwe nach Simon Rüttner, eines Nachbars (Einwohners) zu St.Johann bei Grafenwörth an der Donau in Niederösterreich.

(Transkription: „allhier, Michael derzeit zu Stockerau ein SchiffReuther deß Georg Stangerer, sel. in den Judenleüthen auß der Pfarre Perg, Eva dessen Ehewirthin noch im Leben beider ehelich erzeugt hinterlasster Sohn mit Rosalia deß Simon Rüttner gewester Nachbar zu St. Johanns hinterlasstene Wittib“)

Durch diesen Hochzeitsantrag habe ich einige wichtige Informationen über Michael Stangerer erhalten:  Zum Zeitpunkt der Hochzeit war Georg Stangerer, der Vater des Bräutigams bereits verstorben („selig“ lt. Kirchenbuch). Der Beruf des Bräutigams ist angegeben mit „Schiffsreuther“ zu Stockerau (Niederösterreich). Interessant sind auch die Trauzeugen des Bräutigams, Gabriel Hann und Hannß (Hans) Walleneder, die beide „Schiffsleut“ in Stockerau waren.

Einige Kirchenbücher der Pfarre Grafenwörth haben übrigens einen sehr ausführlichen Index mit allen Informationen, die ein Arbeiten in dieser Pfarre sehr leicht machen:

Donauschifffahrt im 18. Jahrhundert

St. Johann lag vor der Regulierung der Donau direkt am Fluß und war einerseits ein Umschlagplatz für Waren aller Art sowie ein Rastplatz für Donauschiffer.

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